Das Management eines Unternehmens verfügt in der Regel über die besten Informationen zum Zustand und zu den Zukunftsaussichten der eigenen Firma - zumal es zu den wichtigsten Entscheidungsträgern zählt. Aufgrund dieser besonderen Stellung werden Mitglieder der sogenannten «C-Suite» häufig als Insider bezeichnet. Ihre Aktiengeschäfte können Hinweise auf die interne Einschätzung der Geschäftsentwicklung liefern und werden deshalb an den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt.
Häufen sich Käufe, wird dies oft als positives Signal gewertet, da das Management den Geschäftsverlauf und das Ertragspotenzial offenbar als attraktiv einschätzt. Umfangreiche Verkäufe können hingegen, abhängig von den jeweiligen Motiven, als Warnzeichen interpretiert werden und gehen nicht selten mit zusätzlichem Verkaufsdruck einher.
Amrize: «Buy the Dip»
Bei keinem anderen schweizerischen Unternehmen war die Kaufaktivität des Managements in den letzten zwölf Monaten so ausgeprägt wie bei Amrize. Laut Angaben der SIX Exchange Regulation (SER) betrug das Volumen der Nettokäufe - also Käufe minus Verkäufe - des Managements während der vergangenen zwölf Monate rund 52 Millionen Franken.
Nicht selten schlug das Management bei stärkeren Kursrücksetzern zu - etwa nach dem US-Zollhammer gegen die Schweiz im Sommer 2025 oder während der Kurskorrekturen nach den US-Angriffen auf den Iran im März 2026. Nach der sogenannten «Buy the dip»-Strategie wurden Aktien im Volumen von 48 Millionen Franken zwischen August und Ende November 2025 sowie über 3 Millionen Franken im März 2026 erworben.
Aktienkursentwicklung von Amrize in Franken.
Die Strategie hat sich bisher ausgezahlt. Gegenüber dem August-2025-Niveau notieren die Amrize-Titel etwa 18 Prozent höher, während sie gegenüber den März-Käufen nur leicht im Minus liegen. Auch Expertinnen und Experten teilen die positive Grundstimmung des Managements: Von zwölf Experten empfehlen sieben den Kauf, fünf raten zum Halten - Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei über 48 Franken.
Partners Group: Tiefpunkte erreicht?
Auch das Management von Partners Group hat die eigene Kursschwäche für Käufe genutzt. Während die C-Suite im vergangenen Jahr noch zu den Nettoverkäufern zählte, wurden seit März dieses Jahres 19 Kauftransaktionen im Umfang von über 29 Millionen Franken registriert.
Aktienkursentwicklung von Partners Group in Franken.
Erstens aufgrund einer Bewertungskorrektur im Softwaresektor, in dem die Private-Equity-Industrie stark engagiert ist. Zweitens wegen einer stillen Krise im Privatkreditmarkt, bei der schuldenfinanzierte Investitionen in KI-Dienstleister zeitweise infrage gestellt wurden – ein Bereich, der ebenfalls stark von Privatmarktunternehmen dominiert wird. Und drittens dank des US-Angriffs auf den Iran, die anschliessende Blockade der Strasse von Hormus und der deutliche Anstieg der Ölpreise, die zu einem kurzfristigen Rückgang am Aktienmarkt führten. Die Partners-Group-Aktien konnten sich dieser Abwärtsbewegung nicht entziehen und erreichten im März ein Zwei-Jahres-Tief.
Angesichts dieser mehrfachen Belastungsfaktoren könnten ein oder mehrere Manager einen möglichen Tiefpunkt ausgemacht haben. Die Käufe fanden im März in regelmässigen Abständen und in etwa gleichen Tranchen statt und setzten sich bis Mitte April fort.
Stadler Rail: Peter Spuhler doppelt nach
Den Zughersteller traf eine Serie einschneidender Wetterereignisse, die das zugrundeliegende Geschäft und die Finanzkennzahlen massiv beeinflussten. In der Folge haben die Aktien seit Frühjahr 2021 zeitweise zwei Drittel ihres Wertes verloren.
Doch das Management - allen voran Firmenpatron Peter Spuhler - zeigte Vertrauen in die Zukunft. Bereits im August 2024 erhöhte Spuhler seine Beteiligung mit einem Aktienpaket im Wert von 4,7 Millionen Franken. Im September und Dezember 2025 folgte ein exekutives Mitglied des Unternehmens mit Käufen im Volumen von 3,8 Millionen Franken respektive 1 Million Franken. Die übrigen Transaktionen ergaben einen Nettokauf von 300’000 Franken. Schon die finanzielle Grössenordnung der beiden grösseren Aufträge legt nahe, dass sie den Schriftzug des Firmenpatrons tragen dürften.
Aktienkursentwicklung von Stadler Rail in Franken.
Mit der zweiten und dritten Transaktion hat Spuhler bisher recht bekommen. Am 18. März 2026 veröffentlichte Stadler Rail die Jahresergebnisse 2025 - mit einem Gewinnanstieg und der Aussicht auf eine Dividendenerhöhung. Der Markt reagierte erfreut und die Aktie stieg am Tag der Veröffentlichung um über 11 Prozent. Seither liegen die Papiere 21 Prozent höher. Ob der Zughersteller die Unwetter endgültig hinter sich gelassen hat, werden die zukünftigen Quartalszahlen zeigen.
Holcim: Gut platzierte Käufe steigern die Dividendenrendite
Aktien im Wert von über 2,9 Millionen Franken kaufte das Management von Holcim. Dabei wurden neunmal gekauft und einmal verkauft. Ähnlich wie bei Amrize zeigten sich ein oder mehrere Manager besonders aktiv seit Ende Februar und nutzten die Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt für günstige Einstiege. Der durchschnittliche Einkaufspreis (nicht volumengewichtet) dieser Transaktionen lag dabei bei 66,50 Franken. Die Titel notieren nun 10 Prozent höher.
Zwar präsentiert sich der Jahresverlauf der Holcim-Aktie bisher enttäuschend: Während der Swiss Market Index (SMI) seit Jahresbeginn fast unverändert leicht im Minus liegt, haben die Holcim-Papiere rund 7 Prozent verloren. Dennoch sehen Analysten Potenzial: Das durchschnittliche Kursziel liegt knapp 8 Prozent über dem aktuellen Kurs. Dabei empfehlen 12 von 23 Experten den Kauf, zehn raten zum Halten.
Aktienkursentwicklung von Holcim in Franken.
Gut getimte Käufe haben zudem einen zweiten positiven Effekt: Sie erhöhen eine ohnehin attraktive Dividendenrendite weiter. Die oder der Manager mit dem durchschnittlichen Einkaufspreis von 66,50 Franken könnten im nächsten Jahr eine Ausschüttungsrendite von fast 3,2 Prozent erzielen - steuerfrei im Fall von Holcim.
Erst kürzlich haben die Analysten von CFRA Holcim aufgrund verbesserter Wachstumsaussichten auf «Kaufen» hochgestuft. Nach der Abspaltung von Amrize sei das Portfolio des Baustoffkonzerns übersichtlicher und biete bessere Wachstumschancen, so das Fazit. Die DZ Bank sieht Holcim zudem als Hauptprofiteur der hohen Investitionsnotwendigkeiten in die Infrastrukturmodernisierung sowie des starken Neubedarfs im Wirtschaftsbau. Für einen Wachstumstitel ist dies also eine attraktive Dividendenrendite.
Nestlé: Baut Philipp Navratil seine Beteiligung aus?
Die Transaktionen bei Nestlé zählen zwar nicht zu den grössten am Schweizer Markt, sind aber dennoch erwähnenswert. Denn seit Philipp Navratil das Ruder beim Nahrungsmittelmulti übernommen hat, haben sich die Kauftransaktionen des Managements gehäuft - möglicherweise kein Zufall.
In den zwölf Monaten vor dem abrupten Rücktritt des damaligen CEO Laurent Freixe wegen einer nicht öffentlich gemachten persönlichen Beziehung innerhalb des Konzerns wurden der SIX Exchange Regulation (SER) sechs Kauf- und eine Verkaufstransaktion im Nettovolumen von 650’000 Franken gemeldet. Seit Navratils Amtsantritt sind sechs reine Kauftransaktionen im Wert von über 1,2 Millionen Franken zu verzeichnen – also in einem kürzeren Zeitraum.
Zwar steht Nestlé weiterhin vor Gegenwinden, etwa durch schwaches Wachstum, doch das Unternehmen konnte jüngst bei der Zahlenpublikation überzeugen. Die Erwartungen wurden klar übertroffen, was laut Analysten die Anzeichen verdichtet, dass der Turnaround greift. Weitere Indizien dazu liefern mögliche künftige Management-Transaktionen oder die Halbjahresresultate am 23. Juli.

