James Robinson, Mitverfasser des bekannten Buches «Why Nations Fail», erhielt zusammen mit Daron Acemoglu und Simon Johnson 2024 den Wirtschaftsnobelpreis wegen ihrer Forschungen zur Entstehung von Institutionen und deren Auswirkungen auf den Wohlstand. Ihre «Findings» sind: Nachhaltiger Wohlstand wird erschaffen durch gesellschaftliche Rahmenwerke, die Eigentumsrechte schützen, breite politische Mitwirkung unterstützen und faire Regeln für alle sichern. Solche Länder haben «inklusive Institutionen», wie Robinson sie nennt. «Extraktive Institutionen» dagegen, die nur für Eliten arbeiten, würgen Fortschritt und Innovation ab.
Als gegensätzliche Beispiele für diese Systeme nannte James Robinson Süd- und Nordkorea am Dienstag in seinem Vortrag am Institutional Money Kongress in Frankfurt. Südkorea konnte sich in den letzten 50 Jahren trotz massiv exponierter geopolitischer Lage dank offener Systeme und inklusiver Institutionen erheblichen Wohlstand erschaffen. Nicht nur durch breite Innovationen und freies Unternehmertum im Bereich Technologie, sondern auch in Kultur (Filme, Musik) oder Branchen wie der Schönheitsindustrie. Nordkorea dagegen blieb ein armes Land mit einer kleinen Elite an der Spitze - Ein Land mit «extraktiven Institutionen» eben.
Robinson, der aus Grossbritannien stammt und als Professor an der Harvard University tätig ist, sieht aber auch, dass Länder mit extraktiven Institutionen in den letzten Jahren auf dem Vormarsch sind. Robinson nennt dies eine «Reverse Wave», quasi eine umgekehrte Welle. Die Gründe sieht er im wirtschaftlichen Aufstieg Chinas, im Angriff Russlands auf die Ukraine und den politischen Folgen in Europa - aber auch in der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump in den USA.
«Die drei Phänomene hängen lose zusammen», meint Robinson. Vor allem der Aufstieg Chinas und die wirtschaftlich-strukturellen Umwälzungen in den USA hätten eine soziale Basis für Trumps Aufstieg in den USA gelegt.
Doch wie sollte ein Land mit inklusiven Institutionen wie Deutschland auf diese Reverse Wave reagieren? Robinson nannte in seinem Vortrag vier Punkte. Erstens: Man sollte sich im Klaren darüber sein, wie sehr der Erfolg der Länder von der inklusiven Natur ihrer Institutionen abhängt. Dies gelte es zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Zweitens: Inmitten der Reverse Wave und der aktuellen Unsicherheit müssten die Länder den Status Quo neu bewerten. «Es gibt viele wirtschaftliche Probleme in Europa, wie im Draghi-Bericht dargelegt wurde. Das sind zu hohe Energiekosten, geringe Verfügbarkeit von Finanzierung und so weiter. «Jetzt ist die Zeit, diese Probleme anzugehen», sagte Robinson.
Neue KI-Technologien böten zudem eine Chance, das europäische Produktivitätsproblem zu lösen. Sie müssten jedoch arbeitnehmerfreundlich umgesetzt werden. Viertens müssten sich viele Länder überlegen, wie man ergänzend statt konfrontativ gegenüber den bestehenden Mächten agieren könne. «Ziehen Sie das Taiwan-Modell in Betracht», sagte Robinson. Es basiert auf den Konzepten der Transparenz und der digitalen Demokratie und einer bewussten Förderung der Industrie. Robinson verwies dabei auch auf TSMC: Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company hat das Land zur dominierenden Kraft in der Halbleiterfertigung gemacht.

