Der Rheinpegel an der für Deutschlands wichtigste Wasserstrasse entscheidenden Engstelle Kaub nähert sich seinem Rekordtief. Am Vormittag wurden dort nur noch ‌25 ⁠Zentimeter gemessen, wie das zuständige Wasserstrassen- und Schifffahrtsamt Rhein (WSA) am Freitag bestätigte. ⁠Das entspricht dem bisherigen niedrigsten Tagesmittelwert von 25 Zentimetern, der im Oktober 2018 erreicht wurde. ‌Damals wurde mit 24 Zentimetern auch der bislang niedrigste ‌Einzelwert gemessen. «Wir sind deutlich früher dran ​als in vergangenen Niedrigwasserjahren», sagte ein WSA-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Das hat wirtschaftliche Folgen, da Frachtschiffe nur mit einem Bruchteil der möglichen Kapazität beladen werden können. Das treibt die Transportkosten in die Höhe. «Die Wasserstände im Rhein sind derzeit sehr niedrig», ‌erklärte der Spezialchemie-Konzern Evonik. «Das erschwert die Gütertransporte per Binnenschiff zum und vom Chemiepark Marl zusehends.» Evonik prüft daher die Verlagerung von Gütertransporten auf andere Verkehrsträger wie Schiene ​oder Strasse sowie den Transport durch Pipelines. Die anderen ​grossen Standorte von Evonik in Hanau, Essen-Goldschmidt, Darmstadt, Wesseling ​und Rheinfelden sind den Angaben zufolge vom Niedrigwasser bislang nicht oder nur in begrenztem ‌Umfang betroffen. «Unsere Produktion läuft.» Grundsätzlich werde etwa durch Lagerbestände von Rohstoffen vorgesorgt.

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstrassen für den Transport von Rohstoffen wie Getreide, Mineralien, ​Erzen, ​Kohle und Ölprodukten. Zuletzt hatte im Sommer ⁠2022 eine Dürre zu ungewöhnlich niedrigen Pegelständen ​geführt. Damals kämpften viele deutsche ⁠Unternehmen mit Lieferengpässen und Produktionsproblemen wegen der Corona-Nachwehen und des russischen Angriffskriegs auf ‌die Ukraine.

Um voll beladen fahren zu können, benötigen Schiffe in Kaub in der Regel einen Pegel von 1,50 Metern. Der ‌Pegelstand ist ein Referenzwert für die Schifffahrt, der Rhein ​ist in Kaub tatsächlich noch gut einen Meter tiefer. Der Ort liegt in Rheinland-Pfalz in der Nähe der Loreley.

(Reuters)