Richemont reitet trotz geopolitischer und konjunktureller Unsicherheiten auf einer Erfolgswelle. Analysten rechnen für die Monate März bis Juni mit weiterem Wachstum, wobei einmal mehr das lukrative Schmuckgeschäft dafür verantwortlich sein dürfte. Ungewiss ist, wie stark der Krieg im Nahen Osten das Geschäft mit Schmuck und teuren Uhren belastet.
Der Luxusgüterkonzern präsentiert am morgigen Mittwoch die Umsatzzahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 (per Ende Juni). Zu den Ergebnissen werden im ersten Quartal keine Angaben gemacht, und was Aussagen zum Ausblick angeht, da hält sich das Management von Richemont jeweils bedeckt.
Schmuck stark, Uhren schwach
Nach Einschätzung der von AWP befragten Analysten dürfte der Gruppenumsatz auf 5,912 Milliarden Euro gestiegen sein (erstes Quartal 205/26: 5,412 Milliarden Euro). In Lokalwährungen dürfte das Wachstum 11,5 Prozent betragen haben; im ersten Quartal des Vorjahres waren es 6 Prozent.
Das Schmuckgeschäft mit den Vorzeigemarken Cartier und Van Cleef & Arpels sowie den kleineren Maisons Buccellati und Vhernier ist das Prunkstück und der Wachstumstreiber der Richemont-Gruppe. Im Geschäftsjahr 2025/26 entfielen knapp drei Viertel des Konzernumsatzes auf diesen Bereich, der Traummargen von gut 30 Prozent erreichte.
Für das erste Quartal 2026/27 gehen die Experten für die Schmuck-Division von einem Wachstum von gegen 12 Prozent in Lokalwährungen aus. Die Verkäufe werden auf 4,364 Milliarden Euro geschätzt - nach 3,914 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Im Schlussquartal des Vorjahres hatte der Bereich in Lokalwährungen gar um 16 Prozent zugelegt. Richemont reite nach wie vor auf der Schmuckwelle, hiess es in einem Analystenkommentar.
Die Uhrenhersteller, darunter Marken wie IWC, Piaget oder Jaeger LeCoultre, hinken dagegen seit Jahren den erfolgsverwöhnten Schmuckhäusern hinterher. Auch in dieser Berichtsperiode wird von Analysten für dieses Segment nur mit einem nur leichten Umsatzwachstum von 3 Prozent gerechnet, obwohl sich die Verkaufszahlen bereits im Vorjahr auf tiefem Niveau bewegt hatten. Der Umsatz des Uhrengeschäfts wird auf 845 Millionen Franken prognostiziert (Vorjahresquartal: 824 Millionen Euro)
Wie stark bremst der Nahost-Konflikt?
Eine Belastung für die Luxusgüterindustrie ist der Krieg im Nahen Osten. Das bekommt auch Richemont zu spüren, schliesslich hatte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr in der Marktregion Mittlerer Osten & Afrika beinahe 10 Prozent des Gruppenumsatzes erzielt. Vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Shopping-Destinationen wie Dubai belasten geringere Touristenströme das Geschäft.
Der Nahost-Konflikt hatte im Ende März abgeschlossenen vierten Quartal 2025/26 erste Spuren in der Richemont-Rechnung hinterlassen. Die Umsätze in dieser Region gingen in Lokalwährungen gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent zurück. Für das Startquartal 2026/27 erwarten Analysten einen weiteren, noch deutlicheren Umsatzrückgang im Mittleren Osten.
Wie stark fällt die Erholung in China aus?
Ein besonderes Augenmerk richten Analysten und Anleger auf Asien, wo das Geschäft im wichtigen chinesischen Markt unter einer Konsumschwäche gelitten hatte. Seit gut einem halben Jahr gibt es aber Hinweise auf eine Erholung in der Region Asien Pazifik, wo Richemont zuletzt knapp ein Drittel des Umsatzes erzielt hatte. Unklar ist jedoch, wie nachhaltig die Erholung des China-Geschäfts sein wird.
Mit einem nach wie vor starken Wachstum wird derweil in den USA gerechnet. Analysten erwarten für Richemont im Amerika-Geschäft (Umsatzanteil 2025/26: 25 Prozent) weiterhin zweistellige Wachstumsraten. ZKB-Analyst Gian Marco Werro befürchtet allerdings, dass sich die Stimmung in den USA im Luxusgütergeschäft eintrüben könnte. Dämpfend wirken höhere Benzinpreise, steigende Flugticketpreise oder das allgemein schwächere Stimmungsklima.
Hat die Aktie weiteres Steigerungspotenzial?
An der Börse stehen die Richemont-Aktien im laufenden Jahr mit rund 5 Prozent im Plus. Die Titel erholten sich in den letzten Wochen vom Kursrückgang im März. Damals hatte der Kriegsausbruch im Iran und die daraus entstandenen Unsicherheiten für das Luxusgütergeschäft im Nahen Osten die Richemont-Papiere bis in den Bereich von 130 Franken gedrückt. Aktuell kostet die Aktie wieder mehr als 180 Franken.
Das durchschnittliche Kursziel liegt indes deutlich höher, bei 194 Franken. 13 Experten empfehlen Richemont zum Kauf, sechs sind für Halten. Es gibt keine Verkaufsempfehlung.
(AWP/cash)
