Bis zum Ende des Monats dürfte der Bundesrat die Einzelheiten zu den neuen Kapitalvorgaben bekannt geben, die der grössten Bank des Landes milliardenschwere zusätzliche Puffer abverlangen könnten. Fallen die Anforderungen deutlich strenger als in anderen Ländern aus, könnte die UBS im Extremfall eine Kurskorrektur bis hin zu einer Abwanderung ins Ausland ins Auge fassen. «Die Veröffentlichung der endgültigen Regierungsvorschläge ist ein Meilenstein», sagte David Benamou, Anlagechef des Vermögensverwalters Axiom.
Seit dem Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 und der anschliessenden Notübernahme durch die UBS versprach die Politik, die Zügel für die letzte Grossbank des Landes anzuziehen. Ausgehend von den im Juni 2025 präsentierten Eckwerten könnte die UBS gezwungen werden, 22 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kernkapital beseitezulegen. Dagegen ist die Bank auf die Barrikaden gegangen. Sie befürchtet Wettbewerbsnachteile und zusätzliche jährliche Kosten von bis zu 1,7 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Analysten erwarten LSEG-Daten zufolge für 2027 einen Jahresgewinn von 12,5 Milliarden Dollar.
Nachdem sowohl die UBS als auch die Credit Suisse innerhalb von 15 Jahren beide mit Hilfe des Staates stabilisiert werden mussten, will Finanzministerin Karin Keller-Sutter mit strengeren Vorgaben verhindern, dass die Steuerzahler bei einer möglichen zukünftigen Schieflage der UBS bluten müssen. Weil die Bilanz der UBS rund doppelt so gross ist wie die Wirtschaftsleistung des Landes, könnte ein möglicher Rettungsversuch den Staat Experten zufolge in Bedrängnis bringen. Kaum ein anderes Land hat ein solches Klumpenrisiko.
Die UBS betont dagegen, was das Institut der Schweiz in Form von Krediten, Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen bringt. Konzernchef Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher stehen unter dem Druck der Anleger, hohe Ausschüttungen und eine steigende Börsenbewertung zu liefern. «Aus Anlegersicht entwickelt sich die UBS von 'Too Big To Fail' hin zu 'Too Expensive To Compete'», warnt Axiom-Experte Benamou. Mit dem zusätzlichen Kapital sei die UBS weniger attraktiv als andere Banken.
Streitpunkt US-Geschäft
Die neuen Vorgaben setzen sich aus zwei Kernelementen zusammen: mit wie viel Kapital ausländische Tochtergesellschaften unterlegt werden müssen und was an das Kernkapital angerechnet werden darf. Dem provisorischen Entwurf zufolge sollen Software und Steuergutschriften in Zukunft nicht mehr als Kapital zählen. Doch dieser Vorschlag stiess in einem Konsultationsverfahren auf breite Kritik. Parlamentsabgeordnete gehen davon aus, dass Regierung der Bank hier entgegenkommt. «Es ist schwer vorstellbar, dass es bei der Verordnung keine Anpassungen gibt», erklärt auch Roman Studer, Geschäftsleiter des Schweizer Bankenverbandes.
Anders sieht es bei der Kapitalisierung der Auslandsgesellschaften aus. Hier geht es um den grössten Kapitalbrocken - und hier prallen die Kernanliegen der Regierung und der UBS direkt aufeinander. Für Ermotti und Kelleher sind die USA der wichtigste Wachstumsmarkt. «Aber wir wollen nicht, dass die Schweiz für dieses Risiko geradestehen muss», erklärte Finanzministerin Keller-Sutter kürzlich in einem Interview. Abgeordnete und Branchenvertreter gehen davon aus, dass die Regierung in dem Punkt an ihrer strengen Linie festhält. Weil es sich um ein Gesetz handelt, hat das Parlament das letzte Wort. Beobachter halten dann eine Verwässerung für möglich.
«Swissness» als Vorteil
Das Hauptaugenmerk dürfte deshalb vorerst auf der Verordnung liegen. Diese kann die Regierung zwar selbst festlegen, doch bankenfreundliche Abgeordnete wie Erich Ettlin drohen bereits, einen möglichen strengen Vorschlag mit einem Gesetz abzuschwächen.
Sollte die Regierung in dem Punkt nicht einlenken, steige das Risiko, dass die UBS zum Übernahmekandidaten wird, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters. Zudem könnte das Institut Notfallpläne aus der Schublade ziehen, die auch eine Verlegung des Hauptsitzes ins Ausland umfassen. Hans Gersbach, Ökonom an der Eidgenössischen Technischen Hochschule, hält eine Verlagerung des Hauptsitzes indes für unwahrscheinlich. «Swissness wird in Zukunft ein noch grösserer Nutzen sein in dieser geopolitisch riskanteren Welt.» Auch die Analysten von Bank of America halten einen Umzug für den letzten Ausweg. Wahrscheinlicher wären ein Verkauf von Geschäften oder eine Überprüfung der Präsenz in den USA. Die UBS wollte sich dazu nicht äussern.
(Reuters)

