Eine Phase-II-Studie mit dem Hoffnungsträger CT-388 habe vielversprechende Ergebnisse geliefert, teilte das Unternehmen aus Basel am Dienstag mit. Das einmal wöchentlich zu spritzende Mittel führte zu einer placebobereinigten Gewichtsreduktion von 22,5 Prozent nach 48 Wochen. «Der deutliche Gewichtsverlust in Verbindung mit einem gut verträglichen Sicherheitsprofil bestärkt unser Vertrauen», erklärte Roche-Medizinchef Levi Garraway. Der Konzern will noch in diesem Quartal mit den entscheidenden und teuren Phase-III-Studien beginnen.
Analyst Michael Leuchten von der Investmentbank Jefferies zeigte sich zurückhaltend. Die Daten seien im Wesentlichen auf einer Linie mit dem Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly und böten keinen klaren Vorteil in einem zunehmend überfüllten Markt. Leuchten verwies zudem auf eine deutliche Lücke zwischen dem Gewichtsverlust unter idealen Studienbedingungen (22,5 Prozent) und dem unter realitätsnahen Bedingungen (18,3 Prozent). Dies deute auf mögliche Probleme bei der Therapietreue hin, möglicherweise aufgrund von Nebenwirkungen. Für eine kommerzielle Relevanz müsse das Medikament noch einen klaren Mehrwert beweisen.
Roche will mit dem Medikament in den lukrativen Markt für Adipositas-Mittel vorstossen, der bislang von den Blockbustern Wegovy des dänischen Konzerns Novo Nordisk und Zepbound von Eli Lilly beherrscht wird. Analysten schätzen das jährliche Marktvolumen bis Anfang der 2030er Jahre auf bis zu 150 Milliarden Dollar. Den Wirkstoff sicherte sich Roche Ende 2023 durch die 2,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Biotechunternehmens Carmot. Roche hat insgesamt sechs Kandidaten zur Behandlung von Fettleibigkeit und damit verbundenen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck in der Entwicklung. Der Konzern hatte im September das Ziel ausgegeben, bei Therapien gegen Übergewicht zu den drei grössten Anbietern gehören zu wollen. Roche schätzt, dass die Medikamente bis 2030 auf den Markt kommen und drei davon zu Blockbustern mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar werden könnten.
(AWP/Reuters)

