Roche werde wie geplant mehr als 600 Millionen Euro in ein neues Diagnostik-Produktionszentrum im bayerischen Penzberg investieren, erklärte Roche auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Es handelt sich um die grösste Einzelinvestition des Konzerns in Deutschland. Die Entscheidung sei bereits vor mehreren Jahren getroffen worden und spiegele die langen Planungszyklen wider. Der Bau soll bis 2027 abgeschlossen sein, die Produktion voraussichtlich 2028 beginnen. Künftig sollen rund 200 Mitarbeiter in dem neuen Gebäude arbeiten.
Anfang Juni hatte der US-Pharmakonzern Eli Lilly angekündigt, seine Ende 2023 bekannt gegebenen Investitionen in Deutschland über 2,3 Milliarden Euro zu halbieren. Boehringer Ingelheim hatte seine geplanten Ausgaben von 900 Millionen Euro sogar ganz gestrichen. Beide Unternehmen begründeten dies mit dem geplanten Sparpaket der Bundesregierung im Gesundheitswesen. Auch Roche sieht den Pharmastandort Deutschland wegen des Kabinettsbeschlusses zum sogenannten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz an einem kritischen Wendepunkt.
«Der Kabinettsbeschluss sorgt für ein neues Mass an Unsicherheit bei Investitionen, Forschung und Produktionsentscheidungen in Deutschland», sagte der Vorstand der Roche Pharma AG, Daniel Steiners, zu Reuters. Die Regierung riskiere einen hohen wirtschaftlichen Schaden bei minimalem Nutzen für ein nachhaltiges Gesundheitssystem. Das parlamentarische Verfahren biete nun eine letzte Chance, Deutschland auf dem Pfad der Verlässlichkeit zu halten. Roche hat nach eigenen Angaben seit 2020 in Deutschland fast 3,8 Milliarden Euro investiert und über 1800 Arbeitsplätze geschaffen.
Die Sparpläne markieren eine Kehrtwende für den Standort Deutschland. Noch vor zwei Jahren hatte der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) der Branche einen Aufschwung bescheinigt und die damalige Pharmastrategie der Bundesregierung gelobt. Die Investitionen von Eli Lilly und Roche galten dabei als Leuchtturmprojekte und Vertrauensbeweis für den Standort.
(Reuters)

