Unternehmen wie Schindler, Lindt&Sprüngli, Swatch oder Roche leisten sich nach wie vor zwei Arten von Beteiligungspapieren. Aktien auf der einen Seite, Anteilscheine auf der anderen. Bei Roche sind dies Genussscheine (GS), bei Schindler und Lindt& Sprüngli Partizipationsscheine (PS). Der Unterschied zu den Aktien: Die Besitzer der GS oder PS sind zwar dividendenberechtigt, aber stimmrechtslos.

Mit dieser Kapitalstruktur sichern sich die Familieneigentümer die Kontrolle über ihre Firmen. Beispiel Roche: Vom Kapital fallen rund 87 Prozent auf stimmlose Genussscheine und 13 Prozent auf Inhaberaktien. Und bei diesen Inhaberaktien halten die Roche-Erben seit Jahrzehnten die Mehrheit. Sie bestimmen so die strategischen Geschicke des Pharmakonzerns.

Nun hat Roche an der Generalversammlung vom Dienstag beschlossen, die Genussscheine abzuschaffen. Sie sollen in Partizipationsscheine umgetauscht und anschliessend vernichtet werden. Die neuen Scheine werden neu auch einen Nennwert von 0,1 Rappen ausweisen. Somit ist Roche auch in der Lage, neue PS zu schaffen - falls Kapital für eine Übernahme notwendig wird.

Mit dem Umtausch von GS in PS sinkt überdies der Nennwert der Inhaberaktien von 1 Franken auf ebenfalls 0,1 Rappen. Roche zahlt infolge dieser Nennwertreduktion etwas über 100 Millionen Franken an die Inhaberaktionäre aus. Der letzte Handelstag der GS an der SIX ist der 16. März 2026. Der erste Handelstag der PS wird der 17. März sein. Die PS erhalten eine neue ISIN-Nummer (CH1499059983), eine neue Valorennummer (149'905'998) sowie ein neues Tickersymbol («ROP»).

Roche bezweckt mit dem Scheine-Umtausch eine «Modernisierung der Kapitalstruktur»

An den Machtverhältnissen beim Pharmakonzern ändert diese Rochade nichts. Auch die GS-Inhaber merken vom Abtausch kaum etwas. Der Umtausch erfolgt in den Bankdepots automatisch im Verhältnis 1:1.

Handlungsbedarf haben allerdings GS-Inhaber, welche die Scheine als Zertifikate noch immer zu Hause aufbewahren. Sie werden aufgerufen, «ihre Zertifikate so bald wie möglich vor dem Zeitpunkt des Umtauschs bei einer Depotbank einzuliefern», schreibt Roche in einem Informationsblatt. Eine physische Ausgabe von Scheinen sei nicht mehr möglich.

Roche bezweckt mit dem Scheine-Umtausch eine «Modernisierung der Kapitalstruktur», wie es heisst. Das ist - mit Verlaub - etwas hochgegriffen. Eine wahre Modernisierung wäre, so die Meinung vieler Grossinvestoren, die Einführung einer Einheitsaktie nach dem System «One Share, One Vote».

Strukturen wie bei Roche «sind nicht mehr zeitgemäss», sagte Stefan Frischknecht, Leiter Fondsmanagement Schweiz bei Schroders, vor zwei Jahren zur «Bilanz».

Daniel Hügli
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