Rohstoffmarkt - Schweizer Bank und Jeffrey Gundlach warnen beide vor «Papiergold»

Einige Beobachter haben Zweifel daran, ob Anlageprodukte beim Gold die Vorstellung des Edelmetalls als sicheren Anlagewert erfüllen. Ist das bloss Panikmache?
22.04.2020 10:55
Von Manuel Boeck
Goldbarren im Tresor eines Goldhändlers.
Goldbarren im Tresor eines Goldhändlers.
Bild: imago images / photothek

Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn um 10 Prozent gestiegen. Letzte Woche erreichte der Preis 1747 Dollar, was dem höchsten Wert seit 2012 entspricht, wie im Chart ersichtlich ist:

Goldpreisentwicklung seit 2007 (Quelle: Bloomberg).

Währenddessen erklimmen Gold-ETF (Exchange Traded Funds) weltweit nach Angaben von Bloomberg einen neuen Rekord. Mit Gold-ETF können Investoren an der Entwicklung des Goldpreises teilhaben, ohne Goldbarren kaufen zu müssen.

Doch aufgepasst: Investoren sollten physisches Gold anstatt "Papiergold" besitzen, so zumindest die Meinung der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP). "Papiergold" ist die Bezeichnung für Anlagenformen ohne physisches Gold, die aber einen Bezug zum Edelmetall aufweisen. 

"Investoren sollten nicht nur darauf achten, wie viel Gold in ihrem Portfolio ist, sondern auch in welcher Form das Gold gehalten wird", wird UBP-Anlagechef Michaël Lok bei Bloomberg zitiert. Klar sei: Goldbarren repräsentieren "einen sicheren Wert" in jedem Portfolio.

Das Kleingedruckte ist entscheidend

"Man muss vorsichtig sein bei all diesen Finanzprodukten, die scheinbar durch physisches Gold unterlegt sind oder dieses imitieren", so die UBP weiter und verweist dabei auf ETF, Goldzertifikate oder Goldbonds. "Solche synthetischen Substitute repräsentieren in einigen Fällen ungesicherte Ansprüche auf physisches Gold. Investoren sollten ihren Fokus auf das zugrundeliegende physische Gold richten, um sicherzustellen, dass die Rolle als Wertspeicher erfüllt ist."

Vor einigen Wochen sagte auch "Bond King" Jeffrey Gundlach, Gründer der Investmentfirma DoubleLine Capital, dass eine Anlage in "Papiergold" nicht das gleiche sei, wie Goldbarren zu besitzen.

Anleger sollten vor dem Kauf eines Gold-ETF und anderen Gold-Produkten der Finanzindustrie tatsächlich folgende Fragen stellen: Ist das Gold des ETF physisch hinterlegt? Zu welchen Einheiten ist das Gold auslieferbar? Wer ist der Emittent des ETF und wie ist seine Bonität? Ist der zukünftige Handel sichergestellt?

Handelt es sich bei der Anlage um Exchange Traded Commodities (ETC), dann besitzt der Fonds physisches Gold effektiv. Dann gibt es zum Beispiel auch Kleingedrucktes, wonach beispielsweise nur Goldbarren über 12,5 Kilo ausgeliefert werden können. Ein ETF über 1 Kilogramm ist somit nicht auslieferbar.

Und wenn der Emittent zum Beispiel die Zürcher Kantonalbank ist, kann der Bonität einiges Vertrauen entgegengebracht werden. Steht jedoch ein kleiner Emittent hinter einem ETF, müssen Anleger die Bonität genau prüfen. Für die Sicherstellung des zukünftigen Handels sind die Market Maker verantwortlich. Das sind Banken oder auf ETF spezialisierte Broker. Sie sind Partner der Fondsgesellschaft, für welche sie die ETF an der Börse kotieren.

Was für ein Anlegertyp sind Sie?

Für Carsten Menke, Edelmetallexperte bei Julius Bär, sind solche Fragen allerdings nicht zentral. Entscheidend sei eher der Anlegertyp. Auf der einen Seite des Spektrums gebe es den Anleger, der sich um die Stabilität des Finanzsystems keine Sorgen mache und sich daher aus Kosten- und Effizienzgründen über den Terminmarkt in Gold investiere. Dieser Anleger wolle einzig und allein an der Preisentwicklung partizipieren.

Andererseits gibt es laut Menke den risikoaversen Anleger, der das Weltfinanzsystem vor dem Zusammenbruch sieht. Dieser Anleger sehe physisches Gold als einzigen Schutz und bewahre daher Barren und Münzen zu Hause im eigenen Tresor auf.

Carsten Menke errachtet Gold-ETF daher als gute Möglichkeit, um im Rahmen des Portfolios einfach und effizient in Gold zu investieren. Denn viele dieser Produkte veröffentlichen Barrenlisten. "Solch eine Barrenliste sollte ausreichen, um Zweifel an der physischen Hinterlegung zu zerstreuen", sagt Carsten Menke gegenüber cash.

Menke sieht übrigens die Goldrally nicht in Gefahr. Diese würde erst abreissen, wenn die wirtschaftliche Normalität früher eintrete als erwartet. Die Bank Union Bancaire Privée geht davon aus, dass Gold in der Corona-Krise seine Rekordhöhen testen wird. Gold erreichte im Jahr 2011 knapp 1900 Dollar pro Unze. Die US-Notenbank gehe mit ihrer Geldpolitik "all in", um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft zu minimieren. Von dieser Entwicklung werde Gold stark profitieren.