Der geldpolitische Schlüsselsatz wurde um einen halben Punkt auf 15,0 Prozent zurückgenommen, wie die Währungshüter am Freitag in Moskau mitteilten. Experten hatten mit diesem Schritt gerechnet. Damit geht die Zentralbank des Ölförderlandes Russland einen Sonderweg: Andere grosse Notenbanken haben zuletzt stillgehalten und warnen zugleich vor steigenden Inflationsrisiken aufgrund höherer Energiepreise infolge des Irankrieges. Mit Blick auf die Geldpolitik der Euro-Zone und auch in Grossbritannien wird an den Finanzmärkten über womöglich bald anstehende Zinserhöhungen spekuliert.
Die Zentralbank in Moskau will hingegen auf kommenden Sitzungen die Notwendigkeit einer weiteren Senkung prüfen - abhängig von der Nachhaltigkeit der Inflationsabschwächung und der Entwicklung der Inflationserwartungen. Zudem sollen auch Risiken ins Kalkül einfliessen, die durch die Bedingungen im In- und Ausland entstehen. Die jüngste Lockerung gilt als Versuch, die abgekühlte Konjunktur mehr als vier Jahre nach der russischen Invasion in der Ukraine zu befeuern.
Das Wirtschaftswachstum in Russland hat sich von 4,3 Prozent im Jahr 2024 auf ein Prozent im Jahr 2025 verlangsamt. Die Energiepreise sind im Zuge des Irankrieges zwar deutlich gestiegen. Davon profitiert auch das Öl- und Gasförderland Russland - allerdings nur eingeschränkt. Ukrainische Drohnenangriffe auf die Exportinfrastruktur und schlechtes Wetter bremsen die Ölausfuhren des Landes, wie aus jüngsten Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht.
Vor dem Anstieg der Ölpreise arbeitete die russische Regierung an einem Sparpaket, das unter anderem eine Kürzung der nicht unbedingt notwendigen Haushaltsausgaben um zehn Prozent vorsah. Die gestiegenen Öleinnahmen könnten diese Pläne nun vorerst auf Eis legen. Der Rubel hat seit Anfang März um acht Prozent gegenüber dem Dollar nachgegeben. Die schwächere Währung wird die Exporteinnahmen des Staates und von Konzernen steigern.
Sorgen bereitet den Währungshütern weiterhin die Teuerungsrate in Russland: Sie lag mit zuletzt 5,79 Prozent noch deutlich über dem Ziel der Notenbank von vier Prozent. Die Währungshüter rechnen allerdings damit, dass die Inflation 2027 den Zielwert erreichen wird.
(Reuters)

