⁠Zudem bereite die Regierung steuerliche Änderungen vor, um den heimischen Kraftstoffmarkt zu stützen, erklärte Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak am Dienstag. ‌Präsident Wladimir Putin bezeichnete die jüngsten ukrainischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur, ‌darunter die Ölraffinerie in Moskau, als Versuch ​zur Destabilisierung der Gesellschaft. Er forderte die Regierung auf, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen, um die Folgen der Angriffe abzufedern.

Die Ölkonzerne hätten Wartungsarbeiten an den Raffinerien verschoben und nutzten Kraftstoffreserven, um die Nachfrage zu decken, sagte Nowak bei einem im Fernsehen übertragenen Regierungstreffen unter der Leitung Putins. «Wir nutzen Reserven, die ‌zuvor nicht angezapft wurden, und fördern zudem zusätzliche Liefermengen für den Inlandsmarkt», erklärte er.

Die Auswirkungen der Engpässe zeigen sich besonders auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. In der Stadt Sewastopol, deren ​Hafen als Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte dient, schränkten die Behörden das ​öffentliche Leben stark ein. Der von Russland eingesetzte Gouverneur ​Michail Raswoschajew kündigte am Montagabend an, den öffentlichen Nahverkehr ab 22.00 Uhr einzustellen. Grosse Geschäfte sowie Cafés müssen um 20.00 ‌Uhr schliessen. Die Strassenbeleuchtung wurde gedimmt und Grossveranstaltungen im Freien verboten.

Die Zeitung «Wedomosti» berichtete unter Berufung auf zwei Insider, dass Russland wegen der Versorgungsengpässe auch den Import von Treibstoff erwäge. ​Um die ​Preise im Land zu deckeln, werden zudem Subventionen ⁠für diese Einfuhren diskutiert. Die Deckelung der Treibstoffpreise ist ​für die russische Regierung ein ⁠heikles Thema, da steigende Kosten die Inflation anheizen könnten. Zudem würde ein Exportstopp für Diesel ‌den Weltmarkt empfindlich treffen, da das Land üblicherweise grosse Mengen exportiert, insbesondere nach Brasilien und in die Türkei.

Die ukrainischen Angriffe zeigen deutliche Wirkung: Branchen-Insidern zufolge lag die ‌tägliche Benzinproduktion in der vergangenen Woche rund 25 Prozent unter dem ​Durchschnitt im Juni 2025. Den Daten des Finanzdatenanbieters LSEG und Marktteilnehmern zufolge fielen die russischen Ölexporte auf dem Seeweg in der ersten Junihälfte um rund 15 Prozent im Vergleich zur ersten Maihälfte.

(Reuters)