Diesmal seien zwei Lagerhallen in den südrussischen Städten Krasnodar und Newinnomyssk getroffen worden. Mehrere Menschen seien verletzt worden, teilte der Konzern, der als das russische Pendant zu Amazon gilt, am Mittwoch mit. Am Samstag waren bei ukrainischen Drohnenangriffen auf zwei andere Wildberries-Lagerhallen nach russischen Angaben acht Mitarbeiter getötet worden.
Die Attacken markieren eine Ausweitung der ukrainischen Strategie, mit Drohnenangriffen tief im russischen Hinterland den von Russland begonnenen Krieg auch für die russische Bevölkerung spürbar zu machen. Bereits seit Monaten nimmt die Ukraine verstärkt die Öl-Infrastruktur ins Visier, was in einigen Gebieten zu akuten Treibstoffengpässen geführt hat.
Die russischen Verbraucher dürften je nach Ausmass der Schäden in den Lagerhallen auch die Folgen zu spüren bekommen, wenn es deswegen zu Lieferproblemen bei Online-Bestellungen kommen sollte. Den Behörden zufolge waren mehr als 100 Feuerwehrleute und ein Hubschrauber im Einsatz, um einen Lagerhallenbrand zu löschen. Von der Nachrichtenagentur Reuters verifizierte Aufnahmen zeigten eine riesige aufsteigende Rauchwolke in Krasnodar.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, bei den getroffenen Zielen handele es sich um Logistikzentren, über die russische Streitkräfte mit Drohnenbauteilen und anderer Ausrüstung versorgt würden. Ähnlich wurden auch die Angriffe am Wochenende begründet. Der Kreml hat den Vorwurf zurückgewiesen, dass das E-Commerce-Unternehmen militärische Güter umschlage.
Wildberries begann als Online-Shop, der Bekleidung aus europäischen Katalogen weiterverkaufte. Seitdem hat die Firma ihr Sortiment erweitert und sich zu einem Marktplatz entwickelt, auf dem auch Drittanbieter vertreten sind. Das Unternehmen, das mittlerweile einer der grössten Arbeitgeber Russlands ist, hat sich bislang nicht zur Höhe des durch die Angriffe entstandenen Schadens geäussert. Der E-Commerce-Lobbyverband Aurek hat die russische Regierung aber bereits dazu aufgerufen, betroffenen Firmen die Steuerzahlungen für ein halbes Jahr zu stunden.
Der Online-Handel in Russland ist nach Branchenangaben 2025 um 28 Prozent auf umgerechnet etwa 128 Milliarden Euro gewachsen. Der Umsatz mit Waren und Dienstleistungen entsprach nach Regierungsangaben rund 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in Russland. Wildberries wird nicht an der Börse geführt. Die Aktien des Konkurrenten Ozon fielen am Mittwoch an der Moskauer Börse jedoch um vier Prozent. Anleger zeigten sich besorgt, dass auch Ozon zum Ziel ukrainischer Angriffe werden könnte.
(Reuters)

