Seit Jahresbeginn stehen die Sandoz-Titel 28 Prozent im Plus. Seit der Abspaltung von Novartis beläuft sich der Kursgewinn auf über 200 Prozent. Die durchschnittlichen Kursziele der Analysten lassen derzeit kein weiteres Potenzial mehr erkennen. Der Hersteller von Generika und Biosimilars wird mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber der europäischen Konkurrenz gehandelt.
Am 8. September lädt das Unternehmen zum Investorentag. Im Blickpunkt stehen Updates zu den mittelfristigen Zielen sowie Aussagen zur Expansion bei generischem Semaglutid. Dieser Wirkstoff ist die Basis der erfolgreichen Diabetes- und Abnehmpräparate von Novo Nordisk.
Biosimilars und Generika als Wachstumsmotor
Die Papiere erreichten diesen Monat ein Rekordhoch. Grund war die Bekanntgabe einer Kooperation mit Shanghai Henlius Biotech. Zuvor meldete das Unternehmen starke Umsatzzahlen für das erste Halbjahr in den USA sowie in der Biosimilar-Sparte.
Die Diabetesspritze Ozempic von Novo Nordisk ist zum Synonym für Abnehmpräparate geworden. In einigen Ländern laufen die Patente für den Wirkstoff Semaglutid – die Basis von Ozempic und Wegovy – nun ab. Das öffnet Generika-Herstellern wie Sandoz die Tür für günstigere Nachahmerprodukte.
In Brasilien hat Sandoz die Zulassung für das Semaglutid-Präparat Owozy zur Behandlung von Diabetes Typ 2 bereits erhalten. Der Verkaufsstart soll im zweiten Halbjahr erfolgen. In Kanada steht der Entscheid noch aus. Sandoz plant den Marktstart dort bis Ende 2026.
Kein Zuckerschlecken
Der Wettbewerb ist jedoch hart. Auch EMS und Sun Pharmaceutical Industries besitzen eine Zulassung in Brasilien. In Kanada lancierte Apotex Health bereits im Mai das erste generische Semaglutid. Dr. Reddy’s Laboratories stoppte die kommerzielle Fertigung ihres Ozempic-Generikums bis mindestens Oktober. In einzelnen Chargen einer Hauptzutat wurde eine unbekannte Verunreinigung entdeckt.
Bevorstehende Markteinführungen von GLP-1-Präparaten könnten den Generika-Umsatz von Sandoz im Jahr 2027 um bis zu 200 Millionen Dollar steigern. Das schätzt Intron-Health-Analyst Naresh Chouhan. Bei konservativen Annahmen entfallen rund 150 Millionen Dollar allein auf das Diabetes-Segment in Brasilien und Kanada. Der Rest dürfte aus Markteintritten in weiteren Ländern stammen.
Die Analysten von Goldman Sachs Group und Jefferies berücksichtigen generische GLP-1-Medikamente mangels Visibilität bisher nicht in ihren Schätzungen. Das bietet zusätzliches Kurspotenzial, sobald das Ausmass der kommerziellen Chance deutlicher wird.
Sandoz wird aktuell mit dem rund 21-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Das bedeutet einen Aufschlag von über 30 Prozent gegenüber dem Gesundheitssektor im Stoxx 600. Das kurzfristige Potenzial und der aktuelle Produktmix seien im Kurs bereits eingepreist, sagt Berenberg-Analystin Beatrice Fairbairn. Sie sieht jedoch ein wachsendes Potenzial durch GLP-1-Präparate.
«Wir rechnen erst ab 2027 mit einem bedeutenden Beitrag durch neue GLP-1-Lancierungen. Allerdings verweisen wir auf die anhaltende Unsicherheit bezüglich der Marktentwicklung», so Fairbairn.
(Bloomberg/cash)
