Die obersten 1 Prozent der US-Haushalte kontrollierten im dritten Quartal 2025 laut Daten der US-Notenbank 31,7 Prozent des Vermögens der Nation. Das entsprach 55 Billionen Dollar - fast so viel wie die unteren 90 Prozent zusammen.

Die Vermögensungleichheit nimmt wieder zu, nachdem sie sich in den späten 2010er- und frühen 2020er-Jahren mehrere Jahre lang stabilisiert hatte, zeigen Schätzungen der Fed. Der wichtigste Treiber des jüngsten Anstiegs sind drei aufeinanderfolgende Jahre mit deutlichen Gewinnen an den Aktienmärkten.

Während Wohlhabende stärker in Aktien und andere Finanzanlagen investiert sind, konzentriert sich das Vermögen von Familien aus der Mittel- und Arbeiterklasse eher auf ihre Eigenheime, deren Werte nach einem pandemiebedingten Boom zurückgeblieben sind, so Moritz Kuhn, Wirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim.

«Im Grunde ist Ungleichheit zu einem Wettlauf zwischen dem Immobilienmarkt und dem Aktienmarkt geworden», sagte Kuhn, der sich mit Vermögensunterschieden in den USA beschäftigt hat.

Die Allerreichsten treiben den jüngsten Anstieg der Ungleichheit an. Die obersten 0,1 Prozent steigerten ihr Vermögen innerhalb von drei Jahren um 40 Prozent, zeigen Fed-Daten - doppelt so viel wie der Zuwachs von 20 Prozent bei den unteren 90 Prozent.

Die Schätzungen der Fed reichen bis 1989 zurück und zeigen, dass sowohl der Anteil der obersten 1 Prozent als auch der der obersten 0,1 Prozent ein Allzeithoch erreicht hat. Weniger aktuellisierte akademische Schätzungen, die das gesamte 20. Jahrhundert abdecken, darunter jene der World Inequality Database, deuten darauf hin, dass die reichsten Amerikaner zuletzt Mitte der 1940er-Jahre einen ähnlich grossen Anteil am US-Vermögen kontrollierten.

Selbst unter den Superreichen sind die jüngsten Gewinne stark an der absoluten Spitze konzentriert. Im vergangenen Jahr erhöhten die 500 reichsten Menschen der Welt ihr gemeinsames Nettovermögen laut dem Bloomberg Billionaires Index um mehr als 2 Billionen Dollar. Seit Beginn dieses Jahrzehnts hat sich ihr Vermögen auf fast 12 Billionen Dollar verdoppelt.

Die fünf reichsten Menschen der Welt, allesamt Amerikaner, verzeichneten im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Vermögenszuwachs von 31 Prozent, gegenüber 22 Prozent bei allen 500 Milliardären des Index. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, verfügt über ein Vermögen von 668 Milliarden Dollar - fast fünfmal so viel wie Ende 2022.

Die Reichen besteuern

Die zunehmende Ungleichheit hat landesweit eine Reihe von politischen Vorschlägen ausgelöst, die höhere Steuern für Wohlhabende vorsehen. Einer der bekanntesten ist eine Volksabstimmung in Kalifornien, die eine einmalige Steuer von 5 Prozent auf die Vermögen von Milliardären im Bundesstaat erheben würde.

Emmanuel Saez, Wirtschaftsprofessor an der University of California in Berkeley, sagte, er unterstütze die Abgabe und hoffe, dass die Vermögenssteuer einen «Wendepunkt» für eine Epoche darstelle, deren Ungleichheiten er mit dem Gilded Age des späten 19. Jahrhunderts vergleicht.

«Die amerikanische Demokratie hat das erste Gilded Age überwunden, indem sie schliesslich Monopole und grosse Vermögen durch Wettbewerbsregulierung und progressive Besteuerung in die Schranken gewiesen hat», sagte er.

Andere im Bundesstaat, darunter einige progressive demokratische Politiker, warnen, die Steuer könnte nach hinten losgehen, indem sie Technologieunternehmen und ihre Gründer dazu anreize, Kalifornien zu verlassen. Und nicht alle Wissenschaftler sind sich einig, dass Ungleichheit an sich immer schädlich ist.

«Wir werden wahrscheinlich grössere Fortschritte bei Lebensstandard, Demokratie, Chancen, Gesundheit und Glück erzielen, wenn wir diese Ziele direkt verfolgen, anstatt zu hoffen, sie indirekt durch eine Verringerung der Einkommens- oder Vermögensungleichheit zu erreichen», argumentierte Lane Kenworthy, Soziologieprofessor an der University of California in San Diego, in einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel «Is Inequality the Problem?».

(Bloomberg)