Schlägt Pieper an der Börse erneut zu?

Der milliardenschwere Investor und Industrielle Michael Pieper könnte bald wieder bei einer Firma einsteigen, wie er im cash-Video-Interview andeutet.
31.05.2016 13:06
Von Daniel Hügli
Michael Pieper, CEO Artemis Gruppe, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

AFG Arbonia Forster war sein letzter Streich. Im Dezember 2014 überraschte Michael Pieper die Schweizer Börsenwelt, als er beim Ostschweizer Krisenunternehmen einstieg. Er hielt schon vorher namhafte Beteiligungen an den börsenkotierten Firmen Rieter, Autoneum, Adval Tech und Forbo. Bei Feintool ist es die Mehrheit.

Nun könnte Pieper woanders zuschlagen. "Wir beobachten schon seit Jahren zwei bis drei Unternehmen, und es kann sein, dass in Bälde etwas gehen könnte", sagt Pieper im cash-Video-Interview an Rande der Jahresmedienkonferenz seiner Industrie- und Beteiligungsgruppe Artemis am Dienstag in Zürich.

Seit dem Einstieg hat der Aktienkurs des Bauausrüsters Arbonia um 44 Prozent zugelegt, obwohl AFG für das letzte Geschäftsjahr wegen der laufenden Restrukturierung einen hohen Verlust ausweisen musste. Pieper hievte seinen Mann Alexander von Witzleben in die Position des Verwaltungsratspräsidenten, Witzleben ist seit Juli 2015 nach dem Abgang von William Christensen auch Interims-CEO von Arbonia. Pieper kontrolliert via seine Artemis-Holding über 25 Prozent von Arbonia.

Pieper liebt Firmen, die in Schwierigkeiten stecken und die er wieder fit trimmen kann. "Wir schauen auf Firmen, die meistens irgendein Problem haben und wir schauen, wie wir dieses Problem lösen könnten", so Pieper zu cash. Pieper schaut aber auch auf das Geschäftsmodell, auf die Produkte der Firma und ihren Markt, "wir schauen aber auch darauf, wie die Firma bewertet ist." 

Piepers Beteiligungen rentierten in den letzten zwölf Monaten gut. Seit Ende letzten Mai stiegen die Aktien von Rieter um 43 Prozent, Autoneum um 15 Prozent, Forbo legte 9 Prozent zu, Adval Tech 2 Prozent. Einzig Feintool hat in den letzten zwölf Monaten eine Minusperformance (3 Prozent). Die derzeitige Börsensituation bezeichnet er als "nicht schlecht".

Umsatzrückgang im letzten Jahr

Seine Beteiligungen sind nur ein Teil von Piepers Imperium, die er in der Artemis Gruppe zusammengefasst hat. Das Herzstück ist der Aargauer Küchen- und WC-Ausrüster Franke, der rund 9000 Mitarbeitende beschäftigt. Zur Artemis-Gruppe gehören insgesamt 85 Gesellschaften, die weltweit rund 11'000 Mitarbeiter haben.

Artemis verzeichnete im letzten Jahr einen Umsatzrückgang um 5,2 Prozent auf 2,5 Milliarden Franken. Dies nachdem der Umsatz 2014, als die Kursuntergrenze zum Euro noch Bestand hatte, noch um 4 Prozent gestiegen war. Organisch stieg das Wachstum der Gruppe im 2015 um 1,8 Prozent. Die negativen Währungseinflüsse betrugen laut Artemis 6,7 Prozent.

Der Betriebsgewinn (EBIT) wuchs hingegen um 20 Prozent auf 195 Millionen Franken, wovon 54,3 Millionen aus Veräusserungsgewinnen stammen. Der Gewinn nach Steuern verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozent auf 186 Millionen Franken.

Für Pieper, dessen Vermögen auf etwa 3 Milliarden Franken geschätzt wird, ist die Verschlechterung der Umsatzlage natürlich auf die Aufwertung des Frankens nach der Aufhebung der Kursuntergrenze zurückzuführen. Zwar hat der Franken seit Mitte des letzten Jahres an Stärke eingebüsst. "Mit einem Eurokurs von 1,10 Franken sind wir aber noch immer unzufrieden, denn die Kaufkraftparität liegt bei etwa 1,25 Franken", sagt Pieper zu cash.

Die Lage im letzten Jahr "schwärzer" gesehen

Im cash-Interview vor einem Jahr malte Pieper noch unter dem Eindruck der Aufhebung der Kursuntergrenze ziemlich schwarz für den Industriestandort Schweiz und für den Wechselkurs. Er sah den Franken auf Parität zum Euro zugehen.

Pieper räumt nun ein, dass er die Lage etwas "schwärzer" gesehen habe, als sie nun ist. Aber bei der Einschätzung der Folgen des SNB-Entscheides sieht sich Pieper bestätigt.  "Die Unternehmen im Hochtechnologiebereich haben ähnlich schnell reagiert wie die unseren und konnten die Effekte teilweise überkompensieren. Aber in der Basisindustrie ist der Abbau massiv", so Pieper.

Und Pieper bleibt bei der Prognose des Eurokurses vorsichtig: "Der Kurs von 1,10 Franken könnte bleiben, es könnte auch noch etwas besser werden. Bei einem Brexit könnte sich der Franken aber wieder aufwerten, und das käme nicht gut."

Immerhin sieht es im ersten Quartal wieder besser aus für Artemis. Der Umsatz und das organische Wachstum stiegen um je um 10 Prozent. Pieper führt dies auf die "starke Beruhigung an der Währungsfront" zurück. 

Im cash-Video-Interview äussert sich Michael Pieper auch zur Zinsentwicklung in der Schweiz.