Schmolz+Bickenbach-CEO - «Von einem tollen Jahr zu sprechen wäre nicht angebracht»

Die Aktie von Schmolz+Bickenbach fällt nach den Zahlen 2018. Im cash-Interview sagt CEO Clemens Iller, dass die Absatzprobleme in der Autobranche schwer einzuschätzen seien, sich die Auftragslage aber stabilisiert habe.
13.03.2019 15:40
Von Pascal Züger
Clemens Iller ist CEO von Schmolz+Bickenbach.
Bild: cash

"2019 ist das Jahr, wo wir zeigen müssen, dass wir auch halten, was wir sagen", sagt Schmolz+Bickenbach-CEO Clemens Iller im Video-Interview mit cash anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen 2018. Er bezieht sich dabei auf die im letzten Jahr getätigte Akquisition der französischen Ascometal - eine Firma, die in den vergangenen Jahren zweimal insolvent war, nun aber von Schmolz+Bickenbach auf Profit getrimmt werden soll.

Keine leichte Aufgabe: Zunächst sei es, so Iller, wichtig gewesen, bei Ascometal die Mitarbeitermotivation zu erhöhen. Auch den Lieferanten habe man klarmachen müssen, dass man solvent sei und nicht in den nächsten Monaten wieder verschwinde. Mittels Investitionen versuche man nun, die Lieferperformance zu steigern, die in der Vergangenheit bei Ascometal nicht überzeugte. Das führe dazu - so Illers Plan -, dass man bei den nächsten Verhandlungen wieder mit Mengen bedacht werde.

Doch Ascometal, welche vergangenes Jahr die Profitabilität der Gesamt-Gruppe nach unten drückte, ist nicht die einzige Sorge des Stahlherstellers. Aufgrund einer Wertberechtigung bei einem grossen Stahlwerk in den USA schaute 2018 unter dem Strich ein Verlust von 0,7 Millionen Euro heraus, nach einem Gewinn von 45,7 Millionen im Vorjahr. Einerseits leidet Schmolz+Bickenbach dort unter den Strafzöllen, andererseits werden auch im Fracking-Bereich vermehrt Edelmetalle verwendet, die wesentlich länger haltbar sind - dadurch verringert sich der generelle Stahlbedarf.

Auch 2019 Gegenwind erwartet

Und dann war da noch der Dezember, wo sich die Absatzmärkte von Schmolz+Bickenbach auffällig stark abgeschwächten. Zwar habe sich die Lage in den ersten Monaten des neuen Jahres "wieder stabilisiert", doch ist man beim Stahlhersteller noch immer vorsichtig: "Es wäre jetzt nicht angebracht zu sagen, dass es ein tolles Jahr werden wird", so Iller zu cash. Verschiedene Industriezweige seien eher pessimistisch, man arbeite aber daran, den oberen Bereich der angestrebten Guidance zu treffen. Und fügt noch an: "Aber momentan fällt das relativ schwer."

Gemäss der heute publizierten Guidance erwartet Schmolz+Bickenbach für das Gesamtjahr ein bereinigtes EBITDA zwischen 190 bis 230 Millionen Euro. Dieses definierte Zielband liegt unter den 2018 erreichten 236,7 Millionen Euro. Die Firma aus Luzern erwartet in den nächsten Monaten aufgrund politischer und makroökonomischer Risiken eine Fortsetzung der Wachstumsdelle und im weiteren Jahresverlauf eine Erholung.

Im Gespräch mit cash kristallisiert sich heraus, dass Iller vor allem die Aussichten der Automobilindustrie - die wichtigste Abnehmergruppe Schmolz+Bickenbachs -, Sorgen bereiten. Zu dieser Branche sagt er: "Es ist momentan sehr schwierig zu sehen, woher dort die Absatzprobleme kommen." Kunden würden ihm jedoch sagen, dass diese mit den neuen europäischen Teststandards zusammenhängten. Viele neue Modelle stünden nun vor einem "Test-Nadelöhr", wodurch sie eine für eine gewisse Zeit nicht mehr geliefert werden können.

Und dann versprüht Iller zum Schluss doch noch so etwas wie Optimismus: "Die Signale aus der Automobilindustrie sind nicht nur negativ. Ich denke, wir haben auch eine Chance."

Die Aktie von Schmolz+Bickenbach fällt am heutigen Mittwoch um über 3 Prozent auf 54 Rappen. Im Video-Interview mit cash verrät Clemens Iller, wie häufig er auf die Kursentwicklung schaut und ob seiner Meinung nach der Titel künftig wieder auf über 1 Franken steigen wird.