Die japanische Wirtschaft ist Ende 2025 kaum gewachsen und hat die ‌Erwartungen ⁠von Fachleuten deutlich verfehlt. Dies stellt die neue Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi vor eine erste grosse Belastungsprobe, da die ⁠hohen Lebenshaltungskosten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der viertgrössten Volkswirtschaft der Welt legte auf das Jahr hochgerechnet um 0,2 Prozent zu, wie die ‌Regierung am Montag in Tokio mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten jedoch ‌mit einem Anstieg von 1,6 Prozent gerechnet. Im Sommer-Quartal ​war die Wirtschaft noch um revidiert 2,6 Prozent geschrumpft.

Die schwachen Daten zeigen sich in mehreren Bereichen. Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Wachstum nur 0,1 Prozent, während Analysten plus 0,4 Prozent erwartet hatten. Der Privatkonsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, stieg nur um 0,1 Prozent. Anhaltend hohe Lebensmittelpreise belasten hier die Ausgaben der Haushalte. Auch die Investitionen ‌der Unternehmen legten mit 0,2 Prozent nur langsam zu und blieben damit hinter den Prognosen zurück. «Die Dynamik der wirtschaftlichen Erholung ist nicht sehr stark», sagte Kazutaka Maeda vom Meiji Yasuda Research Institute. «Konsum, Investitionen und Exporte – Bereiche, von denen wir uns ​Impulse erhofft hatten – waren einfach nicht so kräftig wie erwartet.»

Konsum und Aussenhandel schwach

Das überraschend ​schwache Wachstum rückt Takaichis Wahlversprechen in den Fokus, die Verbrauchssteuer auf Lebensmittel auszusetzen. «Die ​schleppende Wirtschaftsaktivität erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Takaichi nicht nur die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vorantreibt, sondern bereits in der ersten Hälfte des im ‌April beginnenden Haushaltsjahres einen Nachtragshaushalt verabschiedet», sagte Marcel Thieliant von Capital Economics. Dies hatte an den japanischen Finanzmärkten für Unruhe gesorgt. Anleger befürchten eine fiskalische Schieflage in dem Land, das die höchste Schuldenlast unter den Industriestaaten trägt.

Die Daten könnten zudem die Pläne ​der ​japanischen Notenbank beeinflussen. Diese hatte zuletzt angesichts der hartnäckigen Inflation und ⁠des schwachen Yen die Zinsen angehoben und eine weitere Normalisierung ihrer ​Geldpolitik in Aussicht gestellt. «Obwohl das ⁠BIP diesmal ein positives Wachstum verzeichnete, war die Dynamik schwach», sagte Takeshi Minami, Chefökonom am Norinchukin Research Institute. Angesichts der ‌Notwendigkeit, die Folgen der Zinserhöhung vom Dezember zu bewerten, sei eine weitere Anhebung in naher Zukunft weniger wahrscheinlich.

Auch der Aussenhandel lieferte im vierten Quartal keinen Wachstumsbeitrag. Die Exporte gingen zwar weniger stark zurück als ‌im Vorquartal, als die Einführung von US-Strafzöllen die japanische Industrie belastete. Die Regierung ​von US-Präsident Donald Trump hatte einen Basiszollsatz von 15 Prozent auf fast alle japanischen Importe festgeschrieben. Experten zufolge könnten japanische Unternehmen aber wegen der Handelskonflikte bei ihren Planungen weiter vorsichtig bleiben. 

(Reuters)