Dabei handelt es sich beim Medikament um den Wirkstoff Donanemab, der den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann. Swissmedic hat die Zulassung des Medikaments mit dem Handelsnamen Kisunla am Mittwoch im amtlichen Publikationsorgan «Swissmedic Journal» veröffentlicht. Das Medikament ist für Betroffene in einem frühen Krankheitsstadium vorgesehen.

Der vom Unternehmen Eli Lilly entwickelte Antikörper Donanemab reduziert schädliche Eiweissablagerungen im Gehirn, sogenannte Beta-Amyloide. Diese gelten nach aktuellem Wissensstand als eine mögliche Ursache der Alzheimer-Krankheit. Donanemab reduziert diese Ablagerungen und kann somit den Verlauf der Krankheit verlangsamen. Die kognitiven Veränderungen, die mit Alzheimer einhergehen, werden dadurch verlangsamt.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Therapie ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Als schwere Nebenwirkungen können Gehirnschwellungen oder -blutungen auftreten.

Die Organisationen Alzheimer Schweiz und Swiss Memory Clinics begrüssen den Entscheid von Swissmedic. «Mit Donanemab steht nun in der Schweiz erstmals ein Medikament für die Alzheimer-Krankheit zur Verfügung, das zumindest für einige Betroffene die kognitiven Veränderungen verlangsamt», wird Daniel Janett, Direktor a.i. von Alzheimer Schweiz, in einer gemeinsamen Mitteilung der Organisationen zitiert. Dies ermögliche eine längere Lebensphase mit guter Lebensqualität und könne Heimeintritte verzögern.

Offene Fragen bei Zugang und Kosten

Bevor Donanemab breit eingesetzt werden kann, müssen noch administrative Hürden genommen werden, wie die Organisationen betonten. Insbesondere steht die Aufnahme in die Spezialitätenliste des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) noch aus. Davon hängt die Kostenübernahme durch die Krankenversicherer ab.

Alzheimer Schweiz und die Swiss Memory Clinics fordern die zuständigen Stellen auf, diese Punkte rasch zu klären. Es müsse eine einheitliche Regelung für die Kostenübernahme gefunden werden, damit Betroffene die Behandlung nicht aus eigener Tasche finanzieren müssen. Nach der langen Wartezeit sei ein Zugang ohne weitere Verzögerungen entscheidend.

Späte Zulassung

Die Zulassung des Medikaments erfolgt später als erwartet. In der Europäischen Union wurde Donanemab bereits im September 2025 zugelassen, in den USA erhielt das Medikament im Juli 2024 grünes Licht.

Das Gesuch für die Zulassung ging bei Swissmedic bereits im Oktober 2023 ein. Laut einer Studie, die die Zulassungszeiten verschiedener Zulassungsbehörden verglich, dauert die Zulassung einer neuen Substanz in der Schweiz im Standardverfahren im Durchschnitt 519 Kalendertage. Damit wäre eine Zulassung des Wirkstoffs bereits im Frühling 2025 zu erwarten gewesen.

Laut den Fachorganisationen deutet dies darauf hin, dass die Prüfung der neuen Präparate für die Behörden keine einfache Entscheidung gewesen sei. Er erwähnte, dass die Firma Eisai ihr Zulassungsgesuch für den ähnlichen Wirkstoff Lecanemab kürzlich zurückgezogen habe, da die Zulassungsbedingungen in der Schweiz erheblich restriktiver ausgefallen wären.

Alltag bleibt herausfordernd

Die Fachorganisationen betonen zudem, dass der neue Wirkstoff nur einer begrenzten Anzahl von Personen in einem frühen Stadium der Krankheit zur Verfügung stehen wird. Für die meisten Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bleibe der Alltag eine grosse Herausforderung.

Eine frühe Abklärung von Symptomen sei entscheidend, um überhaupt Zugang zu Behandlungsmassnahmen zu erhalten. Bestehende Unterstützungs- und Entlastungsangebote sowie nichtmedikamentösen Therapien blieben wichtig. Auch dürften die Ressourcen für die etablierten Standardbehandlungen nicht knapper werden, so die Swiss Memory Clinics.

Experten sehen Medikament positiv

Laut einem internationalen Forschungskonsortium unter der Leitung von Giovanni Frisoni vom Universitätsspital Genf (HUG) läuten neue Medikamente wie Donanemab eine neue Ära in der Alzheimer-Behandlung ein. In einer im vergangenen Jahr im Fachjournal «The Lancet» publizierten Studienreihe bezeichnen rund 40 Fachleute die Wirksamkeit des Präparats als vergleichbar mit jener von Therapien gegen Krebs oder Multiple Sklerose.

(AWP)