Die Valoren von Kühne+Nagel grüssen im Wochenvergleich von der Spitze im Swiss Market Index (SMI), und zwar mit einem Plus von 5,3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel 10,3 Prozent zugelegt.
Allerdings war Kühne+Nagel in der ablaufenden Börsenwoche nicht die einzige Logistiker-Aktie mit einem Kursplus. Maersk avancierten um 11,3 Prozent, Hapag-Lloyd um 4,6 Prozent. Derzeit profitieren alle drei Transportunternehmen von höheren Tarifen bei der See- und Luftfracht. Beim Unternehmen aus Schindellegi wirkt sich ferner die Stabilisierung der Ergebnisentwicklung positiv aus. Nach den gesunkenen Frachtraten im Vorjahr rechnet das Management nicht mit weiterem Margendruck im laufenden Jahr.
In diesem Umfeld stellt sich die Frage, wie rasch der Titel weiter steigen kann. Harishankar Ramamoorthy von der Deutschen Bank (DB) reiht sich dabei unter den Pessimisten ein. Die langfristige Strategie von Kühne+Nagel, Marktanteile zu gewinnen und das laufende Kostensenkungsprogramm von 200 Millionen Franken zu verfolgen, stütze zwar die operative Leistung und die Margenverbesserung mittelfristig.
Der DB-Experte geht jedoch davon aus, dass ein Grossteil dieser Verbesserung bereits eingepreist ist, da die Aktie mit dem rund 17-Fachen beim Verhältnis des Unternehmenswerts dividiert durch den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) gehandelt wird. Er stuft den Titel mit «Halten» und einem Kursziel von 180 Franken ein.
Gleichzeitig bleibe der allgemeine Marktausblick aufgrund des makroökonomischen und geopolitischen Umfelds unsicher. Obwohl die Umsetzung der Strategie stetig verläuft und der Kosteneinsparungsplan planmässig voranschreitet, sieht der Analyst kurzfristig keinen Auslöser, der eine signifikante Neubewertung bewirken könnte. Die Deutsche Bank vergibt das Rating «Halten» mit einem Kursziel von 183 Franken.
Wesentlich optimistischer zeigen sich die zwei angelsächsischen Investmentbanken Jefferies und Goldman Sachs. Laut Jefferies-Analyst Michael Aspinall kehrt Kühne+Nagel auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurück. Er sehe ungenutztes Gewinnpotenzial, vorwiegend durch KI-Effizienzsteigerungen. Entsprechend hatte der Jefferies-Experte bereits vor Monatsfrist das Rating in einer Branchenstudie auf «Buy» von «Hold» erhöht. Beim Kursziel zog der Analyst ebenfalls nach und ging auf 220 nach 200 Franken.
Mit 215 Franken ruft Goldman Sachs ein ähnlich hohes Kursziel auf. Deren Analyst erhöhte jüngst seine Ebit-Prognose für 2026 um 5 Prozent. Im zweiten Quartal erwartet er nun ein Ebit-Resultat von 367 nach 348 Millionen Franken. Er verweist dabei auf die Luftfrachtraten als kurzfristigen Treiber, die sich im zweiten Quartal deutlich verbessern dürften. Längerfristig sei zudem der schnellere Fortschritt beim Kostenabbau ermutigend.
Kühne+Nagel legen am 23. Juli die Halbjahreszahlen offen.

