Kühne+Nagel hat geliefert: Die Erstquartalszahlen, die das Management am Freitagmorgen vorgestellt hatte, fielen unerwartet positiv aus. Dennoch gibt die Aktie im Handelsverlauf am Freitag leicht nach.
Dabei waren die Titel des Logistikkonzerns in der jüngsten Vergangenheit durch und durch gefragt: Am Donnerstag waren sie nach acht Börsentagen mit Kursgewinnen in Folge auf ein Elf-Monate-Hoch gestiegen - die Valoren gingen bei 194,35 Franken aus dem Handel, womit sie 8,5 Prozent mehr wert waren als jene acht Handelstage zuvor.
Auch in dieser Woche ist die Kursentwicklung insgesamt positiv - trotz des Rücksetzers am Freitag. Mit dem Plus von 2,9 Prozent übertreffen die Aktien von Kühne+Nagel den Gesamtmarkt klar. Dieser fällt gemessen am Swiss Market Index (SMI) auf Wochensicht um 2,3 Prozent.
Überzeugendes erstes Quartal bei andauernden Nah-Ost-Spannungen
Die soeben veröffentlichen Zahlen zum ersten Quartal bescheinigen dem Logistikspezialisten, dass er sich im aktuell schwierigen geopolitischen Umfeld behauptet hat. Der wiederkehrende Gewinn (EBIT) übertraf die Konsensprognose um 7 Prozent, und der Reingewinn lag um 21 Prozent höher als die Erwartungen, die Analysten im Vorfeld des Quartalsberichts formuliert hatten.
Zudem hat das Management um CEO Stefan Paul den Ausblick zum wiederkehrenden EBIT im Jahr 2026 leicht erhöht. Dieser soll neu zwischen 1,25 und 1,40 Milliarden Franken betragen, zuvor erstreckte sich die Spanne von 1,20 bis 1,40 Milliarden Franken.
«Kühne+Nagel lieferte ein stärker als erwartetes Quartal ab, ohne wesentliche Auswirkungen des Nahostkonflikts und mit höheren Gewinnen, die durch die Umsetzung von Kosteneinsparungen erzielt wurden», schrieb Michael Foeth, Analyst der Bank Vontobel in seiner Notiz vom Freitagmorgen. Das Das Unternehmen habe gezeigt, dass es Störungsperioden effizient bewältigen kann.
Mittelfristige Einschätzungen liegen deutlich auseinander
Die Spanne der Experteneinschätzungen ist also weit. Gemäss dem Preisziel der Bank Vontobel können Anleger auf einen 10-prozentigen Kursgewinn hoffen; gemäss dem Preisziel von JPMorgen droht hingegen ein 16-prozentiger Kursverlust. Die weitere Entwicklung des weltpolitischen Geschehens und die Folgen davon für Kühne+Nagel sind denn auch ungewiss.
Einerseits wird man bedenken: Durch den Nah-Ost-Konflikt ausgelöste, steigende Komplexität im Welthandel spielt dem Logistikspezialisten in die Karten. «Wir können Komplexität. Wenn alles normal laufen würde, dann brauchten Sie uns nicht», sagte CEO Stefan Paul vor knapp einem Jahr, nachdem der Zollkonflikt ausgebrochen war.
Andererseits kann die aktuelle geopolitische Lage zu einer schwächeren Konsumentenstimmung, einer rückläufigen Investitionstätigkeit sowie einer nachlassenden industriellen Produktion weltweit führen, wie die Zürcher Kantonalbank vermerkt. Das würde die Logisikbranche belasten.
Angesichts der Unwägbarkeiten werden die Investoren nun genau beobachten, wie sich die Lage um Kühne+Nagel konkret entwickelt. Womöglich werden schon in den kommen Tagen neue Experten-Einschätzungen Aufschluss hierzu geben.

