Obwohl die Negativschlagzeilen nicht am 31. Januar aufgehört haben, scheinen sich Nestlé und der Februar zu verstehen. Die Aktie des Nahrungsmittelmultis hat seit Montag 6 Prozent an Wert gewonnen und kostet damit fast 78 Franken. Der SMI hat in derselben Zeit 2 Prozent zugelegt. Damit setzt sich Nestlé auf Wochensicht am Leitindex durch, am SPI haben acht weitere Aktien noch höhere Kursgewinne verzeichnet.
Der Skandal um vergiftete Babynahrung ist allerdings noch nicht vorbei. Gerade gestern rief der Konkurrent Danone Aptamil-Produkte in der Schweiz zurück wegen Verdachts auf Cereulid. Mehrere Hersteller von Säuglingsnahrung haben seit Ende 2025 in mehr als 60 Ländern Rückrufe von Säuglingsmilch durchgeführt. Hintergrund ist gemäss der Industrie ein in den Milchpulvern als Zutat verwendetes und verschmutztes Öl eines Zulieferers aus China.
Wertet man die Wochenperformance richtig, ist das für Nestlé-Investoren mittlerweile «old news» und, zumindest was ihr Investment betrifft, nicht mehr relevant. Viel eher haben sie sich daran erfreut, dass Nestlé-CEO Philipp Navratil laut «Financial Times» eine weitere Konzernumstellung plant. Statt sich wie bisher auf Regionen zu konzentrieren, liegt der Fokus künftig auf den Säulen Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks. Die Teams sollen sich so schneller an wandelnde Konsumententrends anpassen können.
Bereits im Dezember hatte er in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» Andeutungen gemacht, wonach besonders Tierfutter und Kaffee mit guten Wachstumsaussichten und Chancen überzeugen. «Ich frage mich nicht, was wir noch dazukaufen müssen. Was wir brauchen, sind Innovationen, um das Wachstum zu beschleunigen», so Navratil zur Zeitung.
Navratil möchte das Geschäft nach turbulenten Jahren wieder ankurbeln. Bereits bei seinem Amtsantritt hatte er klar kommuniziert, dass Änderungen auf den Nahrungsmittelmulti zukommen werden. So lancierte er ein Restrukturierungsprogramm, das in den nächsten zwei Jahren 6 Prozent der Belegschaft einsparen will, rund 16'000 Personen.
«Ich gehe die Dinge mit einem frischen Blick an – alte Dogmen halten mich nicht zurück. Von mir können Sie Transparenz und Verantwortungsbewusstsein erwarten», versprach der CEO einen Monat nach Amtsantritt. Eine solche Vision ist für Nestlé nach durchzogenen Jahren auch dringend nötig.
Ob er das Versprechen einhält, wird sich zeigen müssen. Investoren erwarten Devestitionen, Schuldenabbau, operatives Wachstum und die Umsetzung des angekündigten Stellenabbaus. Am 19. Februar legt Nestlé die Jahresergebnisse 2025 vor, welche etwas mehr Aufschluss liefern dürften.
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