Der Schweizer Medikamentensektor hat im vergangenen Jahr einen Umsatz zu Fabrikabgabepreisen von 8,1 Milliarden Franken erzielt, was einem Wachstum von 5 Prozent entsprach. Die vom Bund verfügten Preissenkungen haben das Wachstum dabei um 2,4 Prozent gedämpft.
Vom Medikamentenumsatz gingen knapp 7,1 Milliarden Franken zu Lasten der Krankenkassen, wie der Branchenverband Interpharma am Freitag unter Berufung auf eine Studie von Iqvia mitteilte. Haupttreiber der Mengenausweitung war die demografische Entwicklung und der damit zusammenhängende steigende Bedarf an medizinischen Leistungen.
Der Dämpfungseffekt von 2,4 Prozent der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) verfügten Preissenkungen habe sämtliche Kosten kompensiert, die von Neueinführungen & Zulassungserweiterungen verursacht worden seien, betont Interpharma. Im Rahmen der letztjährigen Überprüfung hatte das BAG laut den Angaben die Preise von knapp 300 Arzneimitteln um durchschnittlich 12 Prozent gesenkt.
Mehr Generika und Biosimilars
Weiter gestiegen ist der Anteil von Nachahmermedikamenten: So knackte der Generika-Umsatz mit 1,12 Milliarden Franken (+6,4 Prozent) zum zweiten Mal in Folge die Milliarden-Grenze. Der Umsatz der Biosimilars, also Nachahmerprodukte aus lebenden Zellen, legte sogar um 13,7 Prozent auf 255 Millionen Franken zu.
Das überdurchschnittliche Wachstum bei Generika und Biosimilars ging auf Kosten der Originale: Der Umsatz von chemisch hergestellten Produkte schrumpfte um 1,2 Prozent und von Biologika um 7,8 Prozent. Das zeige eindrücklich, dass die Massnahmen des Bundes im Rahmen der KVV-/KLV-Revision griffen, so Interpharma.
Neue und innovative Therapien seien im kassenzulässigen Markt mit einem Plus von 4,6 Prozent nur unterdurchschnittlich gewachsen, heisst es weiter. Aus Sicht von Interpharma sind das keine guten Nachrichten für Patientinnen und Patienten. Denn der «einseitige Fokus auf die Kosten» gefährde zunehmend die Versorgung mit Medikamenten. Innovative Medikamente retten Leben und steigerten die Lebensqualität und beuge Kosten für deutlich teurere Eingriffe oder Pflegeaufenthalte vor.
Referenzpreise für USA
Interpharma weist derweil darauf hin, dass Schweizer Medikamentenpreise zu Referenzpreisen in den USA geworden seien. Es brauche nun eine Modernisierung des Preisbildungssystems und einen «Verzicht auf weitere reine Kostensenkungs-Massnahmen», so der Verband.
Für die Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (VIPS) hat das im November 2025 in Kraft getretene US-Referenzpreissystem «Generous» dramatische Konsequenzen für die Schweiz. Innovationen und neue Medikamente kämen ohne Gegenmassnahmen nicht mehr oder stark verzögert auf den Schweizer Markt, da diese sonst den Preis im allerwichtigsten Absatzmarkt - den USA - drücken würden.
(AWP)

