Das Schaffhauser Traditionsunternehmen Georg Fischer schrumpft im Halbleitergeschäft. Das organische Wachstum dieses Bereichs betrug minus 16 Prozent im Jahr 2025. «Unsere Ergebnisse entsprachen nicht unseren Erwartungen», sagte CEO Andreas Müller am Mittwoch im Gespräch mit Analysten. Zum Halbjahresbericht habe man eine sich füllende Projektpipeline und einen guten Auftragsbestand im Halbleitergeschäft gesehen. Manche dieser Projekte seien dann aber doch aus dem Berichtsjahr hinausgeschoben worden. Entsprechend enttäuschend ist nun das Bild.

Das GF-Management stellt nun ein Wachstum der Halbleiter-Geschäfte von rund 15 Prozent im neuen Jahr in Aussicht. Das Unternehmen sei gut aufgestellt und werde vor allem im zweiten Semester 2026 eine Beschleunigung des Halbleitersegments erfahren.

Was die Umsatzzahlen von Georg Fischer angeht, sollte das Halbleitergeschäft nicht überschätzt werden. Laut dem zuständigen Analysten der Zürcher Kantonalbank, Walter Bamert, steuert es etwa 5 Prozent zum Gruppenumsatz von zirka 4 Milliarden Franken bei, es sei in dieser Hinsicht nicht sehr wichtig.

Jedoch: «Das Halbleiter-Geschäft ist vor allem für die Marge relevant», sagt Bamert im Gespräch mit cash.ch. «Es ist das profitabelste Geschäftsfeld innerhalb des Bereichs Industrie, der seinerseits eine höhere Marge als der Bereich Infrastruktur hat.» Eine schlechte Entwicklung des Halbleiter-Geschäft wirke sich also überdurchschnittlich negativ auf den Margenmix von Georg Fischer aus, erklärt der Experte.

Das Unternehmen durchlief in den vergangenen Jahren einen Transformationsprozess hin zu einem spezialisierten Flow-Solutions-Anbieter, im Fokus stehen Rohrleitungssysteme für den Transport von Flüssigkeiten und Gasen. Der Konzern ist in zwei Divisionen strukturiert: «Gebäude» sowie  «Industrie und Infrastruktur», worunter auch die Halbleiter fallen.

Nachdem am Mittwoch die Zahlen zum Jahr 2025 veröffentlicht wurden, fiel die Aktie von Georg Fischer bis am Nachmittag um 1,8 Prozent auf 53,60 Franken. Im Tagesverlauf wurden die Valoren stärker verkauft und notierten vorübergehend bei 50,65 Franken. Umsatz und Gewinn von «Flow Solutions» blieb unter dem Konsens, während die Gruppen-Resultate - inklusive der 2025 noch verbliebenen, nun aber veräusserten Bereiche - erwartungsgemäss waren. Die Dividende soll wiederum 1,35 Franken betragen.

ZKB-Analyst Walter Bamert stuft Georg Fischer mit «Übergewichten» ein. Den fairen Wert der Aktie beziffert er auf 75 Franken. Damit sieht er ein Kursgewinnpotenzial von rund 37 Prozent.

Reto Zanettin
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