Sean Hagerty von Vanguard - «Wir müssen das Erbe von Jack Bogle hochhalten»

Sean Hagerty, Europa-Chef von Vanguard, beschreibt im cash-Video-Interview die Tage nach dem Tod des Firmengründers Jack Bogle und sagt, was er von Börsenprognosen hält.
26.02.2019 17:16
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Sean Hagerty, CEO von Vanguard Europa.
Bild: cash

Wenn die Rede von Investorenlegenden ist, dann gehört Jack Bogle dazu. Er wird in einem Atemzug mit Warren Buffett oder George Soros genannt. Bogle, der 1975 den Vermögensverwalter Vanguard gründete, starb am 16. Januar 2019 im Alter von 89 Jahren (cash berichtete).

Einer, der Bogle persönlich kannte, ist Sean Hagerty. Er ist seit 2016 Europa-Chef von Vanguard. "Es war ein düsterer Moment für unsere Firma", erinnert sich Hagerty an den 16. Januar. Und: "Wir haben sehr viel an Jack gedacht in den letzten Wochen. Und uns allen ist aber klar: Wir müssen das Erbe von Jack Bogle hochhalten", sagt Hagerty im cash-Video-Interview am Institutional Money Kongress in Frankfurt. 

Jack Bogle hatte den Typ des kostengünstigen, indexbasierten Investmentfonds (Exchange Traded Fund, oder kurz ETF) als Gründer von Vanguard bekannt gemacht. Er hatte stets die Meinung vertreten, dass die meisten aktiven Fondsmanager die von ihnen erhobenen Gebühren nicht wert seien.

Vanguard ist heute die global am schnellsten wachsende Vermögensverwaltungsgesellschaft mit rund 5 Billionen Dollar an verwalteten Vermögen. Die Firma hat den Ruf, die Konkurrenz mit Billigangeboten gehörig unter Druck zu setzen. Das hat Vanguard in den letzten Jahren hinter Blackrock zum zweitgrössten Vermögensverwalter der Welt gemacht.

Kurzfristige Prognosen sind schwierig

Zwar sind auch die verwalteten Vermögen von Vanguard im letzten Quartal 2018 wegen des Börsensturzes gesunken - nämlich um rund 200 Milliarden Dollar (bei Blackrock waren es rund 500 Milliarden Dollar). "Wer hatte das schon vorausgesehen? Oder die Erholung zu Beginn dieses Jahres?", fragt Hagert. Und merkt an, dass kurzfristige Prognosen des Börsenverlaufs sehr schwierig seien. Das Credo von Vanguard sei anders gelagert: "Wir glauben an langfristiges Buy-and-Hold-Investieren." 

Hagerty merkt an, dass die Investoren oft ein schlechtes Timing hätten beim Investieren. Das belegt auch die jüngste Statistik: So trennten sich Investoren - noch immer geprägt von den crashenden Märkten im Dezember - im Januar trotz der deutlichen Gewinne an den Aktienmärkten von Aktien-basierten ETF im grossen Stil. Zum falschen Zeitpunkt, wie die Rallye an den Börsen in den letzten Woche gezeigt hat.

Es passt übrigens zu Vanguard, dass die Gesellschaft nicht an der Wall Street residiert, sondern in Malvern, einer Ortschaft mit 3000 Einwohnern im US-Bundesstaat Pennsylvania, fast eine Stunde Autofahrt von Philadelphia entfernt (die "Bilanz" hat Vanguard vor zwei Jahren besucht, hier die Reportage). Das Besondere auch an Vanguard: Das Unternehmen ist genossenschaftlich organisiert, dies im Gegensatz zum Hauptkonkurrenten Blackrock (und ihrer ETF-Tochtergesellschaft iShares). Gewinne werden teils an die Anleger in Form von tieferen Gebühren weitergegeben. 

Vanguard kam relativ spät nach Europa und hat entsprechend viel Aufholpotenzial. In London wurde die erste europäische Niederlassung vor rund zehn Jahren gegründet, die zweite entstand in der Schweiz im Jahr 2011. In Frankfurt ist die Fondsgesellschaft erst seit letztem Jahr präsent. 

Im Video-Interview äussert sich Hagerty ausserdem zu den genossenschaftlichen Strukturen von Vanguard und zu geplanten Produkteeinführungen.