Kräftiger Auftrieb für den Logistikkonzern aus Schindellegi. Am Mittwochmorgen legen die Aktien von Kühne+Nagel zeitweise über 7 Prozent auf 191,65 Franken zu und erreichen damit den höchsten Stand seit sechs Monaten. Gleichzeitig gewinnt der SMI 0,30 Prozent auf 13'404 Punkte.
Ausschlaggebend für den Kurssprung ist eine bemerkenswerte Kehrtwende von Goldman Sachs. Die US-Investmentbank vollzieht ein seltenes «Double Upgrade» und stuft Kühne+Nagel in einer Branchenstudie auf «Buy» von «Sell» hoch. Gleichzeitig erhöht Goldman das Kursziel auf 210 von 147 Franken - das derzeit unter Analysten vergebene höchste Kursziel, was ein Potenzial von fast 12 Prozent zum aktuellen Kurs impliziert.
Generell dürfte das China-geführte Wachstum auch 2026 anhalten, allerdings steige der strukturelle Gegenwind, schreiben die Goldman Sachs-Analysten rund um Patrick Creuset. Auch die anhaltenden geopolitischen Spannungen seien ein Grund für mögliche Abschwächungen. Die Experten bevorzugen nun Unternehmen mit einem stärkeren «asset-light»-Ansatz, worunter auch Kühne+Nagel falle. Der Logistiker dürfte es leichter als stark auf die Seefracht ausgerichtete Konkurrenten haben, sein Netzwerk anzupassen. Zudem gebe es signifikantes Aufwärtspotenzial durch Restrukturierungen.
Ähnlich optimistisch zeigt sich die Zürcher Kantonalbank mit einem «Übergewichten»-Rating. Kühne+Nagel stehe kurzfristig zwar unter Druck durch Überkapazitäten, Margendruck und Währungseffekte (Dollar-Franken-Kurs), schreibt der zuständige Analyst. Ein Sparprogramm soll ab 2026 jedoch jährliche Einsparungen von 200 Millionen Franken bringen. Trotz rückläufiger US-Seefrachtimporte durch den Handelskonflikt sorgte Chinas Diversifikation für ein globales Volumenwachstum von 4 Prozent bis im vierten Quartal 2025. Experten erwarten laut der ZKB auch 2026 ein anhaltendes Wachstum.
Mit dem heutigen Kurssprung korrigiert der konjunkturabhängige Konzern seine durchzogene Jahresbilanz von 2025 etwas. Seit Jahresbeginn resultiert ein Kursplus von 4,5 Prozent, auf 52 Wochen steht das Minus allerdings noch bei 10,5 Prozent.
(cash/AWP)
