Sensorenhersteller - AMS-Aktionäre kommen auch nach den Quartalszahlen nicht zur Ruhe

Seit Wochen ranken sich um AMS Osram wilde Spekulationen. Nun veröffentlicht der Sensorenhersteller starke Quartalszahlen. Allerdings mit zunächst mässigem Erfolg an der Börse.
02.11.2021 13:22
Von Lorenz Burkhalter
Bild aus der Produktion von AMS.
Bild aus der Produktion von AMS.
Bild: ZVG

AMS Osram blickt auf ein erfreuliches drittes Quartal zurück. Allen Unkenrufen zum Trotz übertrifft der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten die Analystenerwartungen nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim operativen Gewinn (EBIT). Dabei übertrifft das Ergebnis beim EBIT selbst die höchsten Schätzungen.

So weit, so gut. Stünden da nicht schon seit Wochen Spekulationen im Raum, wonach das Unternehmen beim Grosskunden Apple weitere Marktanteile verloren haben könnte (der cash Insider berichtete).

Davon zeugen auch die Vorgaben für das Weihnachtsquartal. AMS Osram selber geht von einer EBIT-Marge von 8 bis 11 Prozent bei einem Umsatz zwischen 1,36 und 1,46 Milliarden Dollar aus. Das entspräche einem Umsatzrückgang gegenüber dem dritten Quartal.

Zürcher Kantonalbank ist voller Lobes

Obwohl nicht eben wenige Analysten mit einem tieferen Umsatz im Schlussquartal gerechnet haben, gibt die Aktie von AMS Osram ihre vorbörslichen Kursgewinne wieder ab. Zur Stunde verliert sie gar 9 Prozent auf 16,45 Franken.

Das überrascht, gewinnt die Zürcher Kantonalbank dem Resultat und dem Ausblick doch vorwiegend positive Aspekte ab. Sie zeigt sich erfreut darüber, dass sich der Verlust des Sockelauftrags für das iPhone von Apple weniger sichtbar in der Rentabilität niederschlägt als sie befürchtet hatte. Bei ihren operativen Gewinnschätzungen für dieses Jahr sieht die Zürcher Kantonalbank nun sogar Raum für eine Erhöhung um mindestens 10 Prozent. Sie stuft die Aktie deshalb wie bis anhin mit "Übergewichten" ein.

Auch Vontobel schlägt versöhnliche Töne an und streicht ihrerseits die robuste Cashflow-Entwicklung hervor. Und auch die Margenvorgaben fürs vierte Quartal erachtet die Zürcher Bank im Wissen um den rückläufigen Umsatz als erfreulich. Von den Margenvorgaben schiesst sie auf weitere Fortschritte bei den Kosten. Das Anlageurteil lautet weiterhin "Buy" und das Kursziel 26,50 Franken.

Einer der schwächsten Technologiewerte in diesem Jahr

Deutlich zurückhaltender ist die UBS. Ihren Berechnungen zufolge liegen die operativen Gewinnvorgaben fürs Schlussquartal um nicht weniger als 15 Prozent unter den Erwartungen. Auch das Resultat für das dritte Quartal bezeichnet die Grossbank als "durchwachsen". Sie stuft die Aktie weiterhin nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 19,50 Franken ein.

Barclays rät nach der Ergebnisveröffentlichung mit "Underweight" und einem Kursziel von 15 Franken zum Verkauf der Aktie. Die Briten machen neben dem Verlust des Apple-Sockelauftrags auch Produktionskürzungen bei Kunden aus der Automobilindustrie für die ernüchternden Vorgaben fürs vierte Quartal verantwortlich. In der Untersuchung gegen den früheren Finanzchef Michael Wachsler wegen privaten Wertpapiergeschäften sieht man bei Barclays einen weiteren Grund, einen grossen Bogen um die AMS-Aktie zu machen.

Beobachtern zufolge reichen die vorliegenden Neuigkeiten wohl nicht aus, damit die Aktionärinnen und Aktionäre von AMS Osram bei all den Spekulationen endlich zur Ruhe kommen. Obwohl die Aktie in den letzten Wochen Boden gutmachen konnte, errechnet sich gegenüber dem Stand von Anfang Januar noch immer ein Minus von fast 6 Prozent. Damit zählt die Aktie an der Schweizer Börse zu den schwächsten Technologiewerten in diesem Jahr.