Der chinesische Online-Billigmodehändler Shein treibt seinen Börsengang in Hongkong voran und will dabei bis zu 1,77 Milliarden Dollar einnehmen. Das Unternehmen startete am Montag die Zeichnungsfrist für die Aktien, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht. Angeboten werden 280 Millionen Papiere zu einem Preis zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar. Damit würde Shein mit bis zu 26,81 Milliarden Dollar bewertet. Der Ausgabepreis soll am 31. August festgelegt werden, das Börsendebüt ist für den 1. September geplant. Ankerinvestoren wie Boyu, Tiger Global und General Atlantic haben bereits Aktien im Wert von rund 383 Millionen Dollar gezeichnet. Auch Tencent und UBS Asset Management steigen ein. Rund 80 Prozent der Einnahmen will Shein in seine Technologie sowie den Ausbau der Marke und der weltweiten Präsenz stecken.
Der Startschuss für die Aktienplatzierung hatte sich zuletzt um einige Tage verzögert. Die nun angestrebte Bewertung von knapp 27 Milliarden Dollar entspricht einem Einbruch von rund 70 Prozent im Vergleich zu früheren Finanzierungsrunden. Noch im Jahr 2022 wurde Shein mit 98,2 Milliarden Dollar bewertet. Investoren bezweifelten zuletzt, dass der Konzern zu den damaligen Wachstumsraten zurückkehren kann. Aus dem Prospekt geht zudem hervor, dass Shein bis zu 3,5 Milliarden Dollar in bar an bestimmte Altaktionäre auszahlen wird. Die Macht im Konzern bleibt derweil bei den Gründern um Sky Yangtian Xu: Da die neuen Aktien nur über ein Zehntel der Stimmrechte verfügen, behält das Gründer-Quartett die Kontrolle über 90 Prozent der Stimmen.
Der lang erwartete Schritt an die Börse erfolgt in einer schwierigen Phase für den Konzern. Ein langsameres Umsatzwachstum und schwächere Kerngewinne belasten das Geschäft. Zudem schrumpfen die Margen. Dies schürt Bedenken, dass die rasante Expansion des Unternehmens durch höhere Handelskosten, strengere regulatorische Auflagen und den verschärften Wettbewerb im weltweiten Online-Handel ins Stocken geraten könnte. Für das erste Halbjahr 2026 rechnet Shein nur noch mit einem Umsatzplus im Bereich des ersten Quartals, als es bei 1,1 Prozent lag. Als Gründe nannte das Unternehmen neue europäische Einfuhrgebühren, Preisdruck sowie eine schwächere Nachfrage im Nahen Osten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg.
Zuletzt verbuchte Shein einen Quartalsverlust von 99 Millionen Dollar. Grund dafür war die Streichung einer US-Zollbefreiung für Kleinpakete. Hinzu kam eine Sonderbelastung von 328 Millionen Dollar im Zuge einer Bilanzierungsänderung. Für den Finanzplatz Hongkong ist der Börsengang, der der bislang grösste des Jahres in der asiatischen Finanzmetropole ist, ein weiterer Schub. In diesem Jahr haben Börsengänge dort nach LSEG-Daten bislang rund 41 Milliarden Dollar eingebracht. Das ist ein Rekordwert für diesen Zeitraum und mehr als doppelt so viel wie die 17 Milliarden Dollar im Vorjahr.
(Reuters)

