Der britische Öl- und Gaskonzern Shell will seine schwindenden Fördermengen mit der milliardenschweren Übernahme des kanadischen Energieunternehmens ARC Resources ausgleichen. Durch den Zukauf für insgesamt ‌16,4 Milliarden ⁠Dollar werde die Fördermenge um 370.000 Barrel Öläquivalent pro Tag steigen, teilte Shell am Montag ⁠mit. Der Zukauf beschert dem Konzern Reserven von zwei Milliarden Barrel Öläquivalent.

Shell steht unter Zugzwang, weil älter ‌werdende Öl- und Gasfelder zunehmend ausgebeutet sind und ihre ‌Produktionsziele nicht mehr erfüllen. Analysten und das Unternehmen ​selbst hatten zuvor prognostiziert, dass Shell bis etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts einen Rückgang der Fördermenge um 350.000 bis 800.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ausgleichen müsse. Die sogenannte Reservenlebensdauer von Shell - also die Zeitspanne, in der die nachgewiesenen Reserven das aktuelle Produktionsniveau aufrechterhalten können - war ‌im Jahr 2025 auf weniger als acht Jahre gesunken. Dies war der niedrigste Stand seit 2021, nachdem der Wert ein Jahr zuvor noch bei neun Jahren gelegen hatte.

Die Übernahme stärkt ​vor allem das nordamerikanische Flüssiggas-Geschäft der Briten. Die Förderanlagen von ARC ​liegen in der Nähe bestehender Shell-Felder, die das ​Werk LNG Canada versorgen. An diesem hält Shell 40 Prozent. Von dort aus kann Flüssigerdgas (LNG) asiatische Käufer schneller ‌erreichen als von den meisten anderen nordamerikanischen Standorten. ARC produzierte im Jahr 2025 im Schnitt 374.000 Barrel Öläquivalent pro Tag.

Den Aktionären von ARC bietet Shell 8,20 kanadische Dollar in bar sowie ​0,40247 Shell-Aktien ​pro Anteilsschein. Dies entspreche einem Verhältnis von ⁠etwa 25 Prozent in bar und 75 Prozent in ​Aktien sowie einem Aufschlag ⁠von 20 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs von ARC der vergangenen 30 Tage, erläuterte der ‌Konzern. Shell übernehme im Rahmen des Zukaufs Nettoverbindlichkeiten und Leasingverpflichtungen von rund 2,8 Milliarden Dollar, woraus sich ein Unternehmenswert von etwa 16,4 Milliarden Dollar ergibt.

Die Übernahme ‌solle zweistellige Renditen abwerfen und den freien Cashflow je Aktie ​ab 2027 steigern, hiess es weiter. Das Investitionsbudget von 20 bis 22 Milliarden Dollar bis 2028 bleibe davon unberührt. 

(Reuters)