«Das wird noch einige Jahre so weitergehen», sagte Vorstandschef Roland Busch am Mittwoch in München. Im zweiten Quartal habe sich die Nachfrage in dem Bereich mehr als verdoppelt, im ersten Halbjahr setzte die Gebäudetechnik-Sparte Smart Infrastructure damit 1,8 Milliarden Euro um. Die von zwei Milliardenzukäufen beflügelte Automatisierungssparte Digital Industries ist dank des KI-Booms zurück auf Wachstumskurs. Der schwache Dollar übt dagegen Druck auf die Margen aus, neue US-Zölle belasten die Zugsparte und die Medizintechniktochter Healthineers. Der Umsatz und der operative Gewinn blieben im zweiten Quartal 2025/26 daher hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
An seinen Zielen für das Geschäftsjahr (per Ende September) hält der Münchner Technologiekonzern aber fest. «Wir haben ein erfolgreiches zweites Quartal abgeliefert, trotz des weiterhin sehr anspruchsvollen geopolitischen Umfelds», erklärte Vorstandschef Busch. Siemens rechne mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent. Grössere Zuwächse in der Automatisierungssparte DI und der Gebäudetechniksparte SI sollen dabei ein gebremstes Wachstum bei den Zügen wettmachen. Das Ergebnis je Aktie soll wie geplant 10,70 bis 11,10 Euro erreichen. Die Siemens-Aktie, die seit März um gut ein Drittel zugelegt hat, rückte um 0,7 Prozent auf 266 Euro vor.
Der Iran-Krieg werde Siemens nicht vom Kurs abbringen. «Bislang sehen wir noch keinen wesentlichen Einfluss auf das Kaufverhalten unserer Kunden», sagte Busch. Siemens gehe nicht von einem langen Krieg aus. Der Nahe Osten mache nur drei bis vier Prozent des Umsatzes von Siemens aus.
Analysten sehen «ermutigende Fortschritte»
Im zweiten Quartal frass der starke Euro die Umsatzzuwächse fast vollständig auf. Währungsbereinigt wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 19,8 Milliarden Euro, Analysten hatten mit mehr gerechnet. Der Auftragseingang schnellte von Januar bis März um elf Prozent auf 24,1 Milliarden Euro, deutlich stärker als erwartet. Ohne Wechselkurseffekte hätte das Plus sogar 18 Prozent betragen. Die starken Ordereingänge bei SI deuteten auf ein anhaltendes Wachstum auch im nächsten Geschäftsjahr hin, schrieben die Analysten von Citi. Siemens sitzt nun auf einem Auftragsbestand von 124 Milliarden Euro.
Das Ergebnis aus dem Industriegeschäft lag von Januar bis März mit 2,97 Milliarden Euro acht Prozent unter Vorjahr. Damals hatte Siemens einen Gewinn von rund 300 Millionen Euro aus dem Verkauf des Elektrifizierungs-Geschäfts (Wiring Accessories) in China an den Rivalen ABB verbucht. Die operative Marge fiel auf 15,4 (16,9) Prozent. Allein der schwache Dollar drückte die Marge dabei um 0,8 Prozentpunkte. Der Gegenwind werde im zweiten Halbjahr nachlassen, sagte Busch. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 2,24 (Vorjahr: 2,44) Milliarden Euro, der über den Analystenerwartungen lag. Die Zahlen zeigten «ermutigende Fortschritte», hiess es bei Citi.
Das einstige Aushängeschild Digital Industries ist wieder auf Kurs. Die Softwareumsätze stiegen um 18 Prozent. Auch in der Fabrikautomatisierung laufe es besser. Der laufende Abbau von 6000 Stellen ist mit 300 bis 350 Millionen Euro in diesem Jahr günstiger als erwartet. Mit einer Ergebnismarge von 18,5 (14,8) Prozent kommt DI fast wieder an die 18,6 (24,0) Prozent von SI heran - obwohl die Übernahmen der Softwarefirmen Altair und Dotmatics erst einmal Marge kosteten. Busch sprach mit Blick auf die beiden Sparten von einer «beeindruckenden Leistung». KI sei der Treiber für Hardware, Software und Dienstleistungen.
Unter Druck steht dagegen trotz einiger Grossaufträge die Zugsparte Mobility. Sie dürfte 2025/26 mit fünf bis sieben Prozent weniger stark wachsen als gedacht, vor allem weil sich Infrastrukturprojekte im deutschsprachigen Raum verzögern. Neue US-Zölle und der Umbau der Produktion in den USA kosteten zudem 2,5 Prozentpunkte Marge. Umsteuern will Busch aber nicht. «Bei Mobility halten wir die Linie.» Zur Übernahme des italienischen Signal- und Messtechnik-Anbieters Mer Mec, die bereits durchgesickert ist, wollte er sich nicht äussern.
Die neue, seit 1. April amtierende Finanzvorständin Veronika Bienert feiert ihre Premiere mit einem neuen Aktienrückkauf: In den nächsten fünf Jahren will Siemens eigene Aktien für bis zu sechs Milliarden Euro erwerben. Für die letzten sechs Milliarden hat Siemens weniger als zweieinhalb Jahre gebraucht.
(Reuters)

