Eine kleinere Anhebung der Zinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) im weiteren Jahresverlauf bleibt jedoch wohl ein Thema, wie ⁠vier mit den Diskussionen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die EZB hatte die Zinsen zuletzt angehoben, ‌um die Auswirkungen des durch den Iran-Konflikt ausgelösten Ölpreisanstiegs einzudämmen. Nun ‌debattieren die Währungshüter über die Dringlichkeit eines ​Folgeschritts. Den Insidern zufolge zeigten sich die Währungshüter überrascht, wie zügig sich Öl wieder verbilligt habe. Die EZB lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Befürchtungen über Engpässe bei Treibstoffen wie Kerosin erwiesen sich laut den Insidern als unbegründet. Zudem hätten einige Produzenten, insbesondere Saudi-Arabien, ihre Öl-Förderung ‌stärker als erwartet ausgeweitet. Zugleich habe China weniger Öl verbraucht und wohl verstärkt auf andere Energieträger gesetzt. Selbst auf die jüngste Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ​am Wochenende habe der Ölmarkt kaum reagiert.

Eine Zinserhöhung im September sei ​derzeit zwar weiterhin das wahrscheinlichere Szenario, doch laut ​den Insidern kommt den am Mittwoch erwarteten Inflationsdaten für Juni nun eine besondere Bedeutung zu. Sollte die Inflation ‌wie von den Finanzmärkten erwartet von zuletzt 3,2 Prozent zurückgehen, könne ein Abwarten der EZB bis September die bessere Option sein. Bei einer negativen Überraschung könnte jedoch eine raschere Zinserhöhung ​im Juli ​wieder auf die Tagesordnung rücken.

An den Finanzmärkten ⁠wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der nächsten ​Sitzung am 23. Juli ⁠derzeit mit rund 33 Prozent bewertet. Vollständig eingepreist ist ein solcher Schritt erst für ‌Oktober. Nach der aktuellen Basisprognose der EZB wird ihr Zielwert einer Inflation von zwei Prozent erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erreicht. Eine ‌weitere Zinserhöhung soll verhindern, dass die gestiegenen Energiepreise auf die ​breitere Wirtschaft durchschlagen und Zweitrundeneffekte auslösen. Diese seien bislang jedoch vernachlässigbar, hiess es von den Insidern.

(Reuters)