SIX-BeteiliungsmeldungenDiese Grossaktionäre jonglieren mit schweren Aktienpaketen

Logitech-Gründer Daniel Borel sorgt mit Aktienverkäufen für Gesprächsstoff. Doch auch bei anderen Unternehmen aus der Schweiz sind Grossaktionäre so aktiv wie lange nicht mehr.
14.02.2017 23:05
Von Lorenz Burkhalter
Logitech-Gründer Daniel Borel trennte sich jüngst von Aktien.
Logitech-Gründer Daniel Borel trennte sich jüngst von Aktien.
Bild: Bloomberg

Fast täglich gehen bei der Schweizer Börse SIX Beteiligungsveränderungen bedeutender Aktionäre ein. Über- oder unterschreitet der Stimmenanteil vordefinierte Schwellenwerte, sind Publikumsgesellschaften in der Schweiz nämlich zu einer Meldung an die Börsenbetreiberin verpflichtet. Ursprünglich als eine Massnahme gegen unfreundliche Übernahmeversuche gedacht, lassen sich davon durchaus kursrelevante Rückschlüsse ziehen. Kaufen Grossaktionäre zu, ist dies ermutigend. Treten sie hingegen als Verkäufer in Erscheinung, ist Vorsicht geboten.

Erst vor wenigen Tagen ging ein Raunen durch das Land, als bekannt wurde, dass sich der Logitech-Gründer Daniel Borel von Aktien getrennt hat. Der einstige Konzernchef und spätere Verwaltungsratspräsident musste sich nur deshalb zu erkennen geben, weil sein Stimmenanteil mit 4,86 Prozent unter den Schwellenwert von 5 Prozent gefallen ist. Zuvor hielt er 5,4 Prozent am Peripheriegerätehersteller aus Lausanne.

Übelnehmen kann man Borel seine Titelverkäufe nicht. Zum einen sitzt er schon seit fast zehn Jahren nicht mehr im Verwaltungsrat von Logitech und zum anderen hat sich die Aktie innerhalb nur weniger Monate im Kurs verdoppelt. Nach mehreren positiven Gewinnüberraschungen und Prognoseerhöhungen in Folge sind die Erwartungen hoch. Dessen ist man sich wohl auch im Umfeld des Unternehmens durchaus bewusst. Selbst auf Basis optimistischer Annahmen errechnet sich für das kommende Jahr bereits ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22.

Blackrock, der weltgrösste Vermögensverwalter, griff hingegen bei Logitech zu und bringt es damit auf 5 Prozent der Stimmen. Der Zeitpunkt der Offenlegungsmeldung lässt vermuten, dass ein kleiner Teil der vom Firmengründer Daniel Borel veräusserten Aktien bei Blackrock landete.

Hedgefonds-Milliardär macht bei Actelion Kasse

Nicht minder spektakulär ist der Ausstieg von Dan Och bei Actelion. Als der amerikanische Gesundheitskonzern Johnson & Johnson im Dezember an den Verhandlungstisch zurückkehrte, kaufte sich der Hedgefonds-Milliardär über Aktien und Derivate mit 3,18 Prozent beim Pharmahersteller aus dem Baselbiet ein. Wie einer Offenlegungsmeldung entnommen werden kann, machte er kürzlich Kasse.

Der Kurs der Actelion-Aktie bleibt hartnäckig hinter dem Barangebot zurück; Quelle: www.cash.ch

Beobachter zeigen sich überrascht, dass Och den "Schauplatz Actelion" vorzeitig und zu Kursen weit unter dem rechnerischen Barangebot verlässt. Johnson & Johnson bietet den Aktionären nämlich 280 Dollar je Aktie. Darüber hinaus erhalten sie Anteile an den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Diese werden in eine eigenständige Publikumsgesellschaft eingebracht und den bisherigen Aktionären als Sachdividende ausgeschüttet.

Was den Wert dieses neu entstehenden Unternehmens anbetrifft, so ist man sich in Expertenkreisen noch unklar. Die Schätzungen für den fairen Wert reichen von 2 bis 11 Franken je Aktie.

Grossaktionär zieht bei Leonteq die Reissleine

Zu grösseren Verschiebungen kam es in den letzten Tagen auch im Aktionariat von Leonteq, einem führenden Anbieter von strukturierten Finanzprodukten. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion platzierte der Vermögensverwalter Veraison die gesamte Beteiligung. Insgesamt gingen 781‘000 Aktien in neue Hände über, knapp ein Fünftel davon in jene von Lukas Ruflin. Nach dieser Rochade hält der Mitgründer und Vizepräsident des Verwaltungsrats neu 7,5 Prozent der Stimmen.

Seit einer einschneidenden Gewinnwarnung Mitte Dezember hat die Leonteq-Aktie fast 40 Prozent eingebüsst. Dieser Kurseinbruch lässt sich nicht zuletzt mit den schlechteren Wachstumsaussichten erklären.

Gleich zwei Beteiligungsmeldungen hat die auf Nebenwerte spezialisierte Montanaro Asset Management zu verantworten. Sowohl beim Genfer Elektronikkonzern Lem als auch beim Halbleiterhersteller u-blox reduzierte die britische Investment-Boutique ihre Beteiligung auf unter 3 Prozent. u-blox geriet kürzlich in die Negativschlagzeilen, als sich das Wachstumsunternehmen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate zu einer Umsatzwarnung gezwungen sah.

Dank einem klugen und erst noch den Gewinn verdichtenden Firmenkauf hat die gerade im angelsächsischen Raum noch immer sehr beliebte Aktie wieder Auftrieb. Bei beiden Unternehmen bewegt sich Montanaro Asset Management neuerdings unter 3 Prozent und damit unter dem Radarschirm der Öffentlichkeit. Beobachter schliessen nicht aus, dass die Briten sogar vollständig ausgestiegen sind.

Grosse Fondsanbieter mischen kräftig mit

Auch beim Stellenvermittler Adecco nahm ein langjähriger Grossaktionär zuletzt Geld vom Tisch: Titelverkäufe liessen den Stimmenanteil von MFS Investment von 3,15 auf 2,85 Prozent zurückfallen. Der amerikanische Vermögensverwalter gilt als der Erfinder gemischter Anlagefonds und ist Herr über 450 Milliarden Dollar.

In einer ähnlichen Liga spielt die Capital Group, ein weiterer mächtiger Fondsanbieter. Erst vor wenigen Wochen reduzierte dieser seine Beteiligung am Pharmakonzern Novartis von 3,14 auf 2,97 Prozent. 2,78 Prozent der Stimmen hält die Capital Group in den Aktien selbst, den Rest indirekt über Derivate. Noch vor fünf Jahren brachten die Amerikaner zeitweise sogar mehr als 5 Prozent der Stimmen auf die Waage.

Die Novartis-Aktie (rot) hält nicht mit jener von Adecco (grün) Schritt; Quelle: www.cash.ch

Schon seit Jahren erweist sich die Novartis-Aktie für Anleger als ein Nullsummenspiel. Ihr Kurs notierte zuletzt auf dem Stand vom Frühling 2014. In Anbetracht der Unsicherheiten rund um die zukünftige Preisgestaltung bei Medikamenten ist eine Rückkehr in den dreistelligen Frankenbereich in weite Ferne gerückt.

Allen diesen Beteiligungsreduktionen stehen an der Schweizer Börse SIX nur wenige Erhöhungen gegenüber. Diese lassen sich an einer Hand abzählen und umfassen Zukäufe der Fondsgesellschaft der UBS beim Laborausrüster Tecan. Neu kontrolliert die Grossbank 5 Prozent der Stimmen nach zuvor 4,9 Prozent.

Vermögensverwalter trifft bei DKSH ins Schwarze

Eine gute Nase stellte George Loening beim traditionsreichen Unternehmensdienstleister DKSH unter Beweis. Nur wenige Tage bevor die Zürcher ein überzeugendes Jahresergebnis vorlegten und über die reguläre Ausschüttung von 1,50 Franken je Aktie hinaus eine Sonderdividende von 3 Franken bekanntgaben, kaufte der Vermögensverwalter kräftig Aktien zu. Der Grossaktionär hält neu 5,05 Prozent der Stimmen, zwei Drittel davon jedoch über Derivate.

Die Aktie gewann alleine am Tag der Ergebnisveröffentlichung knapp 9 Prozent. Seit Jahresbeginn errechnet sich gar ein Kursplus von 17 Prozent. Mit Verweis auf die vergleichsweise hohe Bewertung stufte die UBS Investmentbank die Aktie gerade erst am Dienstag von "Buy" auf "Neutral" herunter. Das 12-Monats-Kursziel wird neu mit 87 Franken angegeben.

Am Rande sei noch der Einstieg von Renaissance Technologies mit 3,07 Prozent bei Mobilezone erwähnt. Der amerikanische Vermögensverwalter verlässt sich bei seinen Investments auf ein computergesteuertes Handelssystem. Firmenspezifische Aspekte sind dabei vermutlich nur von untergeordneter Bedeutung.