Parallel zu den neuen Friedensgesprächen zwischen der Ukraine und Russland in Abu Dhabi laufen weitere diplomatische Bemühungen. So traf sich französischen Diplomaten zufolge der wichtigste Berater von Präsident Emmanuel Macron, Emmanuel Bonne, am Dienstag mit Vertretern der Regierung in Moskau. Ziel sei es, den Dialog zu Schlüsselfragen, allen voran der Ukraine, aufrechtzuerhalten. US-Aussenminister Marco Rubio äusserte sich am Mittwoch in Washington verhalten optimistisch: «Ich will nicht sagen, dass allein die Gespräche ein Fortschritt sind, aber es ist gut, dass es ein Engagement gibt.»
Der erste Tag der von den USA vermittelten Gespräche in Abu Dhabi wurde von der ukrainischen Seite als substanziell und produktiv bewertet. Daran nehmen neben den Delegationen aus Kiew und Moskau auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, teil. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.
Die Verhandlungen werden jedoch von schweren Kämpfen und gegenseitigem Misstrauen überschattet. Kurz nach Beginn der Gespräche schlugen russische Raketen nach ukrainischen Angaben auf einem Markt in der Ostukraine ein. Dabei wurden dem Gouverneur der Region Donezk zufolge mindestens sieben Menschen getötet und 15 verletzt. Die Regierung in Kiew wirft Moskau vor, eine von den USA unterstützte Waffenruhe in der vergangenen Woche zur Aufstockung seiner Munitionsbestände genutzt zu haben.
Die Positionen der Kriegsparteien liegen weiter weit auseinander. Moskau fordert den Abzug der ukrainischen Truppen aus der gesamten Region Donezk als Vorbedingung für eine Einigung. Kiew lehnt dies ab und fordert stattdessen ein Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie. Als besonders heikel gilt neben den Gebietsfragen auch das Schicksal des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bekräftigte am Mittwoch, die russischen Truppen würden so lange kämpfen, bis Kiew zu Entscheidungen gelange, die den Krieg beenden könnten.
In der ukrainischen Bevölkerung herrscht Skepsis. «Hoffen wir, dass es etwas ändert. Aber ich glaube nicht, dass es jetzt etwas ändern wird», sagte ein 38-jähriger Taxifahrer in Kiew der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir werden nicht nachgeben, und sie werden auch nicht nachgeben.» Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Ukrainer ein Abkommen ab, das Gebietsabtretungen an Moskau vorsieht. Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha sagte am Dienstag dem Online-Medium Liga: «Russland gewinnt seinen Krieg gegen die Ukraine nicht.»
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, die Gespräche dürften Russland keine neue Gelegenheit geben, den Krieg fortzusetzen. Er erwarte jedoch, dass die Verhandlungen bald zu einem neuen Gefangenenaustausch führen würden. In einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France 2 bezifferte Selenskyj die Zahl der im Krieg getöteten ukrainischen Soldaten auf 55.000. In einem Interview mit dem US-Sender NBC im Februar 2025 hatte er die Zahl noch mit mehr als 46.000 angegeben.
(Reuters)

