Betroffen sind die Immobilienportale von SMG, darunter Homegate.ch und ImmoScout24.ch, sowie der Online-Marktplatz Ricardo, wie der Preisüberwacher am Dienstag mitteilte. Die Vereinbarungen sind bis Ende März 2029 befristet.
Wiederholte Beschwerden
Auslöser für den Deal waren Beschwerden über komplexe und wenig nachvollziehbare Preismodelle. Der Preisüberwacher stellte dort eine «hohe Komplexität und eingeschränkte Preistransparenz» fest, wie aus dem publizierten Regelungstext hervorgeht.
Kern der Einigung im Immobiliengeschäft ist ein neues Preismodell namens «Flex Offer». Das Paket umfasst eine monatliche Grundgebühr von 44 Franken sowie eine einmalige Insertionsgebühr pro Inserat - 505 Franken für Kaufobjekte und 370 Franken für Mietobjekte, jeweils ohne Mehrwertsteuer.
Sparpotenzial unklar
Zu diesen Preisen können Inserate zeitlich unbegrenzt auf Plattformen wie Homegate oder ImmoScout24 aufgeschaltet werden. Nach Einschätzung des Preisüberwachers «in vielen Fällen ein deutliches Einsparpotenzial».
«Flex Offer» sei indes vorrangig ein Angebot für Geschäftskunden, sagte eine SMG-Sprecherin der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage, insbesondere für Immobilienunternehmen mit begrenztem oder schwankendem Objektvolumen. Für Privatinserenten stehe weiter das «Pay-per-Ad-Modell» (PPA) für gelegentliche Inserate zur Verfügung.
Das vom Preisüberwacher versprochene «Einsparpotenzial» hänge zudem stark vom individuellen Nutzungsprofil ab, so die Sprecherin weiter. Faktoren wie die Anzahl der Inserate, deren Laufzeit und das bisher genutzte Preismodell seien dabei ausschlaggebend.
Rabatt auf Verkaufsgebühren
Auch auf Ricardo sollen Verkäuferinnen und Verkäufer entlastet werden. Dort stehen die Erfolgsgebühren im Fokus. Künftig gewährt die Plattform unter anderem einen Rabatt von zehn Prozent auf die Gebühren bei bestimmten Auktionsformaten, etwa bei Auktionen mit einem Startpreis von einem Franken.
Zusätzlich profitieren gewisse Grosskunden mit einem Jahresumsatz ab 100'000 Franken von einem Nachlass in gleicher Höhe. Der Preisüberwacher erwartet dadurch spürbare Einsparungen auf Seiten der Verkäuferschaft.
Keine Einbussen
Die SMG betonte in einer Stellungnahme, dass sie die Vereinbarung ohne Anerkennung eines missbräuchlichen Verhaltens abgeschlossen habe. Man erhalte nun aber Rechtssicherheit für die kommenden drei Jahre.
Die Einigung habe keinen Einfluss auf die finanziellen Ziele sowie die Wachstums- und Profitabilitätsprognosen des Unternehmens, so SMG. Entsprechende Mengen- und Nutzereffekte sollen die Anpassungen kompensieren.
Weko prüft
SMG prägt mit seinen Plattformen den digitalen Alltag in der Schweiz. Im Immobiliengeschäft liegt der Marktanteil bei rund 70 bis 75 Prozent, auch bei Autos und Kleinanzeigen dominiert die Gruppe. Im September kam das Unternehmen beim Börsengang auf eine Marktkapitalisierung von über 4,7 Milliarden Franken.
Neben dem Preisüberwacher führte zuletzt auch die Wettbewerbskommission (Weko) Abklärungen durch. Die Vorwürfe umfassen unter anderem eine zu dominante Marktstellung. SMG betonte stets, mit den Behörden im Austausch zu stehen und im Einklang mit den Vorschriften zu handeln.
Aktionäre jubeln
SMG entstand im Zuge der Fusion von Scout24 Schweiz mit den Portalen von Ringier wie Ricardo und Tutti. Hauptaktionäre sind das Medienhaus TX Group, welches 31 Prozent an SMG besitzt, gefolgt von Ringier (29,5 Prozent) und Mobiliar (29,5 Prozent).
An der Börse kam die Einigung mit dem Preisüberwacher gut an. Nachdem der Kurs seit dem Gang aufs Parkett Mitte September bis Mitte November von knapp 50 Franken auf zeitweise unter 30 Franken gefallen war, stieg er bis Dienstagmittag um über 14 Prozent und stand mit gut 42 Franken wieder näher am Ausgabepreis von 46 Franken.
(AWP)
