Seit dem Einzug in den Swiss Market Index (SMI) Mitte September ging es für die Aktien von Sandoz über 14 Prozent nach oben; seit Jahresbeginn zogen die Titel des Generikaherstellers um über 39 Prozent an und stehen aktuell bei 82,60 Franken. Damit bewegen sie sich nicht nur auf einem Allzeithoch, sondern verzeichnen auch die beste Performance unter den Valoren des Leitindex und lösen somit ABB auf dem Spitzenplatz ab.
Der Industriekonzern macht eine schwierige Phase an der Börse durch. Innerhalb weniger Tage ging es für die ABB-Aktie vom SMI-Thron auf Platz sechs hinunter. Seit Januar resultiert noch ein Plus von knapp 15 Prozent bei einem Wert von rund 69 Franken. Somit steht die Aktie so tief wie seit April nicht mehr, und kein anderer SMI-Titel performte in der vergangenen Handelswoche so schwach wie ABB. Grund sind anhaltende Sorgen um den Technologiesektor, in dem das schweizerisch-schwedische Unternehmen sich erheblich engagiert, etwa bei der Stromversorgung von KI-Rechenzentren.
Doch worauf geht das positive Abschneiden von Sandoz zurück? Jüngst profitierte der Generikakonzern von den defensiven Eigenschaften, die auch andere Unternehmen aus dem Gesundheitssektor aufweisen. Hierin fanden Anleger, die sich aus dem Technologiesektor zurückzogen, Halt.
Zudem trafen neue - und positive - Analystenkommentare und Kursziele für Sandoz ein. So etwa ging der zuständige Analyst von Goldman Sachs Anfang Oktober von 80 auf 85 Franken, bei unverändertem «Buy»-Rating. Zuvor hat die Research-Boutique Kepler Cheuvreux um 10 auf 90 Franken erhöht und das «Buy»-Rating ebenfalls bestätigt. Wermutstropfen ist weiterhin das «Sell»-Rating von Morgan Stanley. Der zuständige Experte traut den Sandoz-Valoren nicht mehr als 60 Franken zu.
Derzeit stehen laut AWP-Analyser acht Kaufempfehlungen sechs Neutral-Ratings und einer Verkaufsempfehlung gegenüber. Der Kurszieldurchschnitt liegt bei etwas über 77 Franken mit einer Range der Kursziele zwischen 60 und 94 Franken. Es deutet an, dass die Aktien schon höher geflogen sind, als das Gros der Experten ihnen zumutete - oder dass die Experten bald über die Bücher gehen und ihre Prognosen nach oben adjustieren. Anlass dazu könnten sie schon bald haben.
Denn im Gegensatz zu ABB stehen die Zahlen fürs dritte Quartal bei Sandoz noch an. Die Publikation ist für den 28. Oktober geplant. Analysten von Goldman Sachs erwarten ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 6,1 Prozent, angetrieben von einem prognostizierten Anstieg der Biosimilar-Verkäufe um 20,6 Prozent. Dieser Anstieg soll den leichten Umsatzrückgang im Generikageschäft von 0,3 Prozent mehr als ausgleichen.
Operative Fortschritte und grosse Pläne
Schub erhielten die Titel des Generikaunternehmens, das von CEO Richard Saynor geführt wird, auch von der Marktzulassung für generisches Semaglutid in Kanada. Das Mittel aus der Klasse der GLP‑1-Wirkstoffe trifft gemäss Schätzungen auf einen Markt mit rund sechs Millionen Diabetikerinnen und Diabetikern sowie einem Volumen von 2,6 Milliarden US-Dollar. Sandoz dürfte nicht nur kurzfristig und nicht bloss in Kanada, doch auf Jahre hinaus und in verschiedenen Ländern profitieren: «Langfristig sehen wir das Marktpotenzial für generisches Semaglutid im Jahr 2035 für Sandoz bei 444 Millionen US-Dollar Umsatz», notierte Urban Fritsche, zuständiger Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), in einer Notiz von Mitte September.
Ende Jahr werde Semaglutid in zwölf grösseren Märkten generisch sein; in weiteren rund 150 Ländern sei für Semaglutid nie ein Patent angemeldet worden - «was das langfristige Potenzial für kostengünstige GLP-1-Angebote unterstreicht». Fritsche bestätigte das «Übergewichten»-Rating für Sandoz und bezifferte den fairen Wert der Aktie mit 90 Franken. Dieser Preis liegt rund 9 Prozent über dem momentanen Stand der Aktie.
Nicht nur in Kanada, sondern etwa auch in den USA und Brasilien plant Sandoz die Lancierung eines Semaglutid-Generikums. In diesen Ländern gilt der Patentschutz nicht mehr oder fällt in den nächsten Jahren. Es handelt sich dabei um eine günstigere Nachahmerversion der Abnehmspritze Ozempic des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk. In den kommenden Jahren dürfte Sandoz auf diesem Weg weitere Märkte erschliessen, da weitere Patente für Originalmedikamente auslaufen.
Ein Augenmerk liegt derweil auf der Zukunft des Projekts «Bio100». Damit will der Basler Konzern bis 2040 mehr als 100 Biosimilars im Portfolio haben. Aktuell liegt das Angebot bei 13 solchen Nachahmermedikamenten. In den nächsten Jahren dürften zudem einige Patente von umsatzstarken Medikamenten ablaufen.
Neben den Patent-Aussichten fokussieren sich Investoren auch auf die Margenaussichten, die aufgrund des zunehmenden Preisdrucks durch chinesische Medikamentenhersteller infrage gestellt werden. Potenzielle Auswirkungen könnte Sandoz im letzten Quartal dieses Jahres und im Jahr 2027 zu spüren bekommen.

