Kein anderer Titel des Swiss Market Index (SMI) ist in der abgelaufenen Handelswoche so schwach gewesen wie die Aktie von ABB. Der schweizerisch-schwedische Industriekonzern verliert an der Börse 9,4 Prozent an Wert und steht so bei 68,42 Franken auf dem tiefsten Stand seit April dieses Jahres.

Druck auf die Aktie kommt - nicht erst seit dieser Woche - aus dem Technologiesektor. Hintergrund ist, dass ABB inzwischen rund 10 Prozent des Umsatzes aus dem Geschäft mit Rechenzentren beziehungsweise deren Stromversorgung erwirtschaftet (mehr dazu hier).

Da diese Datencenter für Künstliche Intelligenz (KI) benötigt werden, haftet der Aktie von ABB nun auch der Nimbus eines KI-Wertes an. Das hat in den zurückliegenden Monaten, als der Technologiesektor boomte, geholfen. Im Juni erreichten die ABB-Valoren bei etwas über 89 Franken ihr Allzeithoch. Lange Zeit war ABB Spitzenreiter des SMI in diesem Jahr.

Mittlerweile haben sich Sorgen um wachsende Finanzierungskosten der KI-Konzerne breitgemacht. Die Bedenken gehen dahin, dass sich die massiven, auch über Schulden finanzierten Investitionen der grossen Technologiekonzerne bei steigenden Zinsen letztlich nicht oder nicht wie zunächst gedacht rechnen werden. So stehen auch die Bewertungen der Tech-Unternehmen zusehends auf dem Prüfstand. 

Jüngstes Beispiel ist der Facebook-Mutterkonzern Meta. Dessen Aktien fielen am Donnerstag nach der Zahlenvorlage um 7 Prozent, während der Nasdaq 100 um 2,9 Prozent sank. Der Quartalsbericht des von CEO Mark Zuckerberg geführten Konzerns konnte die Sorgen der Investoren augenscheinlich nicht ausräumen: «Die Meta-Zahlen haben die Bären angefeuert, und das hat einen Ansturm ausgelöst, die jüngsten KI-Gewinner zu verkaufen und in die langweilig-ist-schön-Sektoren Gesundheit, Konsum und Versorger umzuschichten», fasste Michael Bailey, Analysechef der Finanzgesellschaft FBB Capital Partners das Geschehen zusammen.

ABB mit «fantastischem» Auftragseingang

In diesem angespannten Umfeld brachten auch die eigentlich soliden Zahlen von ABB zum dritten Quartal sowie ein leicht angehobene Jahresprognose keine Trendwende beim Aktienkurs. Insbesondere der Auftragseingang, der die Basis für künftigen Umsatz ist, stieg um 40 Prozent und lag mit mehr als zwölf Milliarden US-Dollar klar über den Konsenserwartungen. «Die Aufträge im dritten Quartal 2026 waren sehr stark und lagen deutlich über dem Konsens, angetrieben durch einen fantastischen Auftragseingang in Electrification, der die Schwäche in Automation mehr als ausglich», schrieb Mark Diethelm, zuständiger Analyst des Vermögensverwalters Vontobel. Er stuft ABB mit «Hold» ein und veranschlagt den Aktienpreis bei 82,00 Franken.

Damit bewegt sich Diethelm im Schnitt der Analysten, die von der Nachrichtenagentur AWP erfasst werden. Der Konsens sieht die Aktie bei 80,82 Franken - rund 18 Prozent über der momentanen Notiz. Es gibt drei Kaufempfehlungen, 19 «Neutral»- und ein «Verkauf»-Rating. Abgelesen daran bietet sich ein Zukauf nicht unbedingt an. Wer die ABB-Aktien aber schon hält, kann sie im Depot belassen.

Vielversprechend ist derweil auch ein Blick auf die anderen SMI-Titel. Diese Woche haben sich mit Galderma (plus 6,2 Prozent), Lonza (plus 3,6 Prozent), Roche (plus 2,9 Prozent), Sandoz (plus 2,6 Prozent) und Novartis (plus 2,1 Prozent) eine Reihe von Gesundheitstiteln hervorgetan - teils aufgrund von Quartalszahlen, nicht zuletzt jedoch wegen ihrer defensiven Eigenschaften. Derweil machte der SMI 0,6 Prozent gut.

Reto Zanettin
Reto ZanettinMehr erfahren