Schweizer Anleger kennen den Swiss Market Index (SMI) gut. Er ist das Aushängeschild der Schweizer Börse mit den grössten Unternehmen der hiesigen Geschäftswelt – zumindest börsennotiert, versteht sich. Aktien wie Roche, Novartis, Nestlé oder UBS sind Teil des Indexes und machen ihn zu einem Grossteil auch aus. Sie sind aber gleichzeitig Teil des SPI (Swiss Performance Index), SLI (Swiss Leader Index), MSCI Switzerland, nicht jedoch des SPI Extra. 

Denn: Es gibt diverse Indizes in der Schweizer Börsenlandschaft, die sich alle durch wenige oder viele Faktoren unterscheiden. Diesen zu benennen, würde sicherlich viele Anleger vor eine Herausforderung stellen. Schliesslich spricht man in Zeitungen oder Analysen oftmals nur von SMI, SPI oder SLI. Diese drei sind gemäss Bernd Laux, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank (ZKB), die wichtigsten Schweizer Aktienindizes.

Doch von vorn: Was ist eigentlich der Sinn eines Indexes? Die SIX beschreibt es auf ihrer Webseite folgendermassen: «Die SIX Aktienindizes dienen als Referenz für die Entwicklung des Schweizer Aktienmarktes und spiegeln die Marktperformance und Trends der an der Schweizer Börse kotierten Aktien wider. Die Indizes liefern wertvolle makroökonomische Daten über den Schweizer Aktienmarkt.» Das heisst wiederum, dass Veränderungen im Index auf Veränderungen in der Anlegerstimmung hinweisen können, oder sektorspezifische Trends veranschaulichen. 

Die Indizes werden zudem regelmässig überprüft und gemäss der Indexkriterien wie Marktkapitalisierung, Handelsliquidität, Gewichtung oder anderen angepasst. «Eine solche Anpassung kommt beispielsweise bei Fusionen und M&A zum Tragen, zuletzt bei Helvetia-Baloise», nennt Laux als Beispiel.

Breite Marktindizes

Der einfachste Aktienkorb zuerst: Der Swiss All Share Index umfasst alle an der SIX Swiss Exchange kotierten Aktien der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein. Untergrenzen des Free Float (Anzahl frei handelbarer Aktien) spielen dabei keine Rolle, was die Aufnahme in andere Indizes für einzelne Titel manchmal erschweren kann.

Der MSCI Switzerland Index misst die Wertentwicklung der Large- und Mid-Cap-Segmente. Mit 40 Komponenten deckt er rund 85 Prozent der free-float-bereinigten Marktkapitalisierung in der Schweiz ab.

Darüber hinaus gibt es den UBS 100 Index, der die 100 grössten Schweizer Aktien des SPI nach Marktkapitalisierung abdeckt – rund 98 Prozent der frei handelbaren Marktkapitalisierung an der Schweizer Börse.

Zur Erinnerung

  • Large Caps: Unternehmen mit einer beträchtlichen Marktkapitalisierung - grosse, etablierte und finanziell stabile Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und starkem Handelsvolumen.

  • Blue Chips: Untergruppe der Large-Cap-Aktien - sie gelten als Branchenführer und sind oft allgemein bekannt.

  • Mid Caps: Mittelgrosse Unternehmen - stabiler als Small Caps, aber volatiler als Blue Chips.

  • Small Caps: Kleine Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung - tendenziell riskanter, dafür oft mit höherem Wachstumspotenzial.

Rund um den SPI

Der SPI umfasst mit 200 Titeln nahezu alle an der SIX gehandelten Aktien und gilt als Marktbarometer der Schweiz. Nicht enthalten sind Unternehmen mit weniger als 20 Prozent Free Float oder Investmentgesellschaften, anders als beim Swiss All Share.

Der SPI 20 enthält, wie der Name sagt, 20 Aktien. Er setzt sich aus denselben Komponenten wie der Swiss Market Index zusammen, mit der Ausnahme, dass es keine Obergrenze für den maximalen Anteil einer Komponente gibt. Der SPI 20 entstand 2017 als unbeschränktes Gegenstück, als beim SMI eine Gewichtungsbegrenzung (UCITS-Kappung) eingeführt wurde. Davor entsprach der heutige SPI 20 dem damaligen SMI.

Der SPI Extra enthält alle Schweizer Aktien, die nicht im SMI vertreten sind, hauptsächlich kleine und mittelgrosse Unternehmen. Der Index erlaubt somit die Beobachtung der Kursentwicklung ausserhalb des SMI und dient Portfoliomanagern als zentraler Vergleichsmassstab für Investitionen in kleinere Unternehmen.

SMI-Indizes

Das Aushängeschild der hiesigen Börse ist der SMI. Die 20 Unternehmen decken etwa 75 Prozent der Gesamtkapitalisierung des Schweizer Aktienmarktes ab. Die Relevanz der Firmen wird anhand der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung und des Umsatzes bestimmt. Zugleich wird durch Richtlinien sichergestellt, dass nicht mehr als zwei Komponenten ein Gewicht von 20 Prozent überschreiten.

Nebst dem Zugpferd SMI gibt es zwei weitere Indizes in seinem Universum: den Swiss Market Mid Caps Index (SMIM) und den SMI Expanded. Der SMIM enthält die 30 grössten und liquidesten Mid-Cap-Titel, die nicht im SMI vertreten sind. Der SMI Expanded kombiniert SMI und SMIM und umfasst so die 50 grössten Schweizer Aktien.

Swiss Leader Index (SLI) 

Der Swiss Leader Index (SLI) umfasst 30 Titel, bestehend aus den 20 im SMI enthaltenen Aktien sowie den zehn grössten Titeln des SMIM. Der SLI wurde 2007 als Ergänzung zum SMI eingeführt, jedoch auf 1999 zurückgerechnet und normiert.

Die Gewichtung ist begrenzt: Die vier grössten Positionen sind jeweils auf maximal 9 Prozent beschränkt, alle weiteren Titel auf höchstens 4,5 Prozent. Damit wird der Einfluss starker Kursbewegungen grosser Titel reduziert.

Index

Anzahl Titel

Marktkapitalisierung in CHF 

Alleinstellungsmerkmal

Swiss All Share 212 1,78 Billionen Umfasst alle Aktien im Schweizer Börsenuniversum
Swiss Market Index (SMI)  20 1,39 Billionen

Leitindex, hohe Gewichtung von 3 Schwergewichten, Kursindex

SMIM 30 271 Milliarden Mittlere Unternehmen (ex-SMI)
SMI Expanded 50 1,66 Billionen Alle Titel aus SMI und SMIM
Swiss Performance Index (SPI)  200 1,78 Billionen Umfasst fast alle Aktien, Performanceindex
Swiss Leader Index (SLI)  30 970 Milliarden Kappung der grössten 4 auf je 9%, ausgewogener
SPI 20 20 1,39 Billionen Umfasst die 20 SMI-Titel ohne Begrenzung für den Anteil einer einzelnen Aktie.
SPI Extra 180 391 Milliarden Umfasst alle Titel aus dem SPI, jedoch ohne SMI-Titel
MSCI Switzerland   2,02 Billionen Large- und Mid-Cap-Segmente
UBS 100 100 1,75 Billionen Umfasst die 100 grössten Schweizer Unternehmen

Quelle: SIX, Zahlen per 5. Februar 2026

Sinn hinter diversen Indizes

Es fragt sich natürlich, was der Sinn hinter den diversen Aktienkörben ist. Würden nicht einer oder zwei reichen? Vereinfacht gesagt ist das Ziel der Börsenanbieterin SIX eine sinnvolle Segmentierung des Marktes. Jeder Index bildet schlussendlich unterschiedliche Aspekte des Marktes ab und dient somit verschiedenen Zwecken. 

Der ZKB-Anlagechef erklärt es folgendermassen: «Mit der feingliedrigen Unterteilung wird es ermöglicht, Teile des Marktes möglichst präzise abzugrenzen, was Produktanbietern, beispielsweise von Aktienfonds oder ETFs, und Investoren eine sehr zielgerichtete Anlage erlaubt.»

Manche Indizes legen den Fokus auf bestimmte Unternehmensgrössen oder Branchen, andere unterscheiden, ob Dividenden berücksichtigt werden oder nicht. Zusätzlich erfüllen einige Indizes die Anforderungen von Fonds und institutionellen Anlegern, während andere als Benchmark für ETFs genutzt werden. Historische Entwicklungen und unterschiedliche Initiatoren haben ebenfalls dazu geführt, dass es heute mehrere Indizes gibt.

Wie in einen Index investieren?

Es gibt also verschiedene Indizes. Aber wie können Anleger nun gezielt von ihren Unterschieden profitieren? «In den vergangenen Jahren haben sich Indexinvestments als ein sehr guter Weg erwiesen, an den Kurssteigerungen des Aktienmarktes und dem Wachstum der Wirtschaft zu partizipieren», rät Bernd Laux. Dabei erziele der Anleger die gewünschte Diversifikation zur Risikominimierung seiner Anlage, ohne sich selbst mit der Einzeltitelauswahl und dem Timing beschäftigen zu müssen.

Beispiele möglicher Indexfonds, welche oftmals als Exchange Traded Funds (ETFs) realisiert werden, sind «iShares SMI», der «UBS ETF (CH) SPI», der «AMUNDI MSCI SWITZERLAND UCITS ETF» oder der «iShares SMIM® ETF». Letzterer hat in diesem Jahr bereits eine Gesamtrendite von 4,58 Prozent erzielt, derjenige der UBS 2,56 Prozent. 

Wer sich in Schweizer Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen und einer nachhaltigen Dividendenpolitik engagieren möchte, dürfte sich für den «iShares Swiss Dividend ETF» interessieren. Seine bisherige Jahresperformance beträgt 2,3 Prozent, letztes Jahr waren es 18,56 Prozent. Der Schweizer Markt gemessen am SMI hat 2025 rund 3 Prozent weniger zulegen können. Die Gesamtkostenquote (TER) von 0,15 Prozent ist vergleichsweise günstig.

Ein solches «Korb»-Investment kann von Fall zu Fall jedoch ein Nachteil sein. So ist eine Anlage in den SMI stark abhängig von den Kursverläufen der Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche. Verlieren diese zeitgleich ähnlich viel – was bei zwei Pharmaunternehmen nicht unwahrscheinlich ist –, beeinflusst das den SMI markant.

Eine Anlage in einen Aktienindex erfolgt zudem passiv, was wiederum bedeutet, dass der Korb der allgemeinen Marktschwankung ausgesetzt ist. Das Portfolio wird nicht aktiv an veränderte Marktbedingungen angepasst, wonach weder Chancen noch Risiken gezielt gesteuert werden können.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
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