Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung bei null Prozent belassen. Damit verharrt der Zins seit Juni 2025 an der Nulllinie. Der Entscheid war von Experten so erwartet worden.
Die Inflationsrate war in der Schweiz im August überraschend von 0,4 auf 0,8 Prozent angesprungen, dem höchsten Stand seit August 2024. Die höhere Inflation in der Schweiz ist seit Juni zwar weiter angestiegen, schreibt die SNB in einer Medienmitteilung am Donnerstag. Dies sei in erster Linie auf die höheren Energiepreise zurückzuführen. «Mittelfristig hat der Inflationsdruck nur leicht zugenommen», so die SNB weiter.
In ihrer neuen Prognose geht die SNB davon aus, dass die Inflation im Jahr 2026 bei 0,7 Prozent liegen wird (zuvor: 0,6 Prozent). Für 2027 prognostiziert die Notenbank eine Teuerung von 0,8 Prozent (Juni-Prognose: 0,6 Prozent) und für 2028 von 0,8 Prozent (zuvor: 0,7 Prozent).
Der Franken gibt gegen den Euro nach dem Zinsentscheid leicht nach, und zwar von einem Stand bei etwa 0,9380 vor dem Zinsentscheid bis auf 0,9433 nachher. Gegen den Dollar verliert der Franken 0,3 Prozent auf 0,8276. Das deutet darauf hin, dass der Markt auch im Dezember nicht mit einer Zinserhöhung der SNB rechnet.
Zur künftigen Geldpolitik wollte sich SNB-Präsident Martin Schlegel an einer Medienorientierung in Bern nicht äussern. Die Unsicherheit über die Inflations- und Wirtschaftsentwicklung bleibe hoch, insbesondere mit Blick auf die weitere Entwicklung der Energiepreise und deren Auswirkungen, erklärte er.
«An der Dezember-Sitzung dürfte die SNB den Leitzins noch bei Null Prozent lassen», schreibt Brian Mandt, Chefökonom Luzerner Kantonalbank. Der Druck auf die SNB nehme aber zu, den Leitzins zumindest in Richtung eines neutralen Niveaus von rund 1,00 Prozent anzuheben, sagte Bantleon-Ökonom Daniel Hartmann. Der erste Schritt von 0,00 Prozent auf 0,25 Prozent könnte seiner Meinung bereits im Dezember, aber spätestens im März 2027 kommen.
Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) hatten ihre Zinsen wegen der anhaltend hohen Ölpreise infolge des Nahost-Konflikts zuletzt angehoben. Selbst die japanische Notenbank hatte in der vergangenen Woche ihren Leitzins auf 1,25 Prozent erhöht.
Für die Schweizer Wirtschaft prognostiziert die SNB für 2026 neu ein Wachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent nach bislang rund 1 Prozent. Für 2027 werden weiterhin rund 1,5 Prozent vorhergesagt.
Die SNB wiederholte ihr Wording, «bei Bedarf» am Devisenmarkt aktiv zu sein. Die Wortwahl wurde erneut leicht angepasst. Im Juni war noch von einer «bei Bedarf erhöhten Bereitschaft» die Rede gewesen, teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Der Franken hat sich in den letzten drei Monaten gegenüber dem Euro um 3 Prozent abgeschwächt.

