“Wenn die Inflation eine Zeit lang hoch bleibt, dann ändert sich das Verhalten der Unternehmen und Haushalte bei der Preisgestaltung – die Inflation wird akzeptiert”, sagte Jordan am Mittwochabend in Lugano im südschweizerischen Kanton Tessin. “Wenn sich das verfestigt, wird es viel schwieriger, die Inflation zu senken.”

Dank des starken Frankens und der im Vergleich zu den Nachbarländern höheren Energieunabhängigkeit konnte die Schweiz einen Inflationsschock vermeiden, so wie ihn etwa die Eurozone erlitt. Allerdings steigen auch in der Schweiz die Verbraucherpreise seit mehr als einem Jahr um mehr als 2 Prozent, und seit Anfang 2023 steigt nun auch die Kerninflation.

Langfristige Entwicklung der Teuerung in der Schweiz (Stand Ende April 2023).

Langfristige Entwicklung der Teuerung in der Schweiz (Stand Ende April 2023).

Quelle: Bloomberg

Diese hohen Inflationswerte haben die SNB veranlasst, die Zinssätze in diesem Straffungszyklus um 225 Basispunkte, respektive um 2,25 Prozentpunkte, von minus 0,75 auf 1,50 Prozent anzuheben. Da die Inflation bis 2025 wahrscheinlich bei 2 Prozent oder höher bleibt, haben die Schweizer Währungshüter angekündigt, dass eine weitere Erhöhung der Zinsen auf ihrer nächsten Sitzung am 22. Juni nicht ausgeschlossen werden könne. Der Konsens der Ökonomen geht von einer Leitzinserhöhung um 0,25 Prozent aus. Einige wenige Banken schliessen aber nicht aus, dass die Nationalbank die Zinsen gar um 0,50 Prozent erhöhen könnte. 

Agustin Carstens, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, lobte auf der Veranstaltung das Inflationsziel der SNB und erklärte, dass es der Notenbank mehr Flexibilität ermögliche.

(cash/Bloomberg)