«Bei den Zinsen sind wir bei null, wir haben schon gesagt, dass wir bereit sind, in den negativen Bereich zu gehen, aber die Hürde ist einfach grösser», sagte Schlegel dem Schweizer öffentlich-rechtlichen Sender SRF. Er beschrieb die monetären Bedingungen derzeit als «angemessen».
Die Zentralbank hatte die Zinsen im Juni auf null gesenkt und seither unverändert belassen. Diese geldpolitische Zurückhaltung hat die erneute Einführung negativer Zinsen von der Agenda der meisten Ökonomen verdrängt. Eine Mehrheit erwartet, dass die SNB die Zinsen bis Anfang 2028 unverändert lässt und sie danach anhebt, wie eine Bloomberg-Umfrage zeigt.
Als Notenbanker gelte seine grösste Sorge der Preisstabilität, und die SNB werde alles Notwendige tun, um dieses Mandat zu erfüllen, sagte Schlegel. Er fügte hinzu, dass das aktuelle Niveau von 0,1% am unteren Rand der Definition von Preisstabilität der SNB von 0-2% liege.
Ein Grund für den schwachen Verbraucherpreisdruck ist der starke Franken, der in der vergangenen Woche gegenüber Euro und Dollar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen ist. Auslöser war ein globaler Rückgang der US-Währung. Präsident Donald Trump hatte den Ausverkauf mit Bemerkungen angestossen, die darauf hindeuteten, dass er mit einem schwächeren Dollar zufrieden sei, da dies den amerikanischen Unternehmen zugutekomme.
«Die Aufwertung des Frankens ist natürlich für die Exportindustrie schwierig, sie ist eine grosse Herausforderung für viele Firmen», sagte Schlegel. Zugleich fügte er hinzu, dass er viele Schweizer Firmen kenne, die sich auf den globalen Märkten behaupteten.
In der Vergangenheit haben sich Investoren bei geopolitischen Krisen häufig dem Franken als sicherem Hafen zugewandt. In einem Interview mit Bloomberg TV im vergangenen Monat hatte Schlegel die Geopolitik als das grösste Risiko für den Franken bezeichnet.
In dem am Montag ausgestrahlten SRF-Interview sagte Schlegel, dass negative Inflationsraten in einzelnen Monaten möglich seien. Die SNB müsse darauf jedoch nicht reagieren, da sie auf mittelfristige Preisstabilität abziele.
Zur Schweizer Wirtschaft sagte Schlegel, das Wachstum sei «moderat» und «unterdurchschnittlich».
(Bloomberg/AWP)

