EBIT, EBITDA, Umsatzrendite, Cashflow, Verschuldungsgrad, Return on Investment, Gewinn/Verlust: Die Zahlensaison fürs 2025 hat diese Woche Fahrt aufgenommen - so gewährten am Donnerstag das SMI-Schwergewicht Roche, der Industriekonzern ABB und der Duftstoffhersteller Givaudan Einblick in ihre Bücher. Nächste Woche folgen weitere Börsengrössen wie die Novartis oder die UBS

Obwohl die Berichte einen gewissen Rahmen einhalten müssen und ähnlich strukturiert sind, haben die Kennzahlen je nach Branche eine unterschiedliche Bedeutung. Was heisst das für (insbesondere ungeübte) Anlegerinnen und Anleger, und worauf müssen sie bei der noch anstehenden Zahlenflut achten? Eine Übersicht.

Die Basis: Umsatz und Gewinn

Bei praktisch allen Branchen gibt es zwei Indikatoren, die zuoberst auf der Checkliste stehen: Umsatz und Reingewinn. Der Umsatz zeigt, wie viel ein Unternehmen mit dem Verkauf seiner Produkte oder Dienstleistungen erwirtschaftet hat. Der Reingewinn gibt an, was nach Abzug aller Kosten, Steuern und Zinsen übrig bleibt. 

Doch diese beiden Kennzahlen allein reichen nicht aus, um die Qualität eines Geschäftsberichts zu beurteilen. Je nach Branche sind weitere, spezifische Kennzahlen entscheidend.

Banken: Eigenkapital und Effizienz

Bei Banken, allen voran der Grossbank UBS, stehen zwei Kennzahlen im Fokus: die Kernkapitalquote und der Verschuldungsgrad (Leverage Ratio). Die Kernkapitalquote zeigt, wie viel Eigenkapital eine Bank im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiven besitzt. Je höher diese Quote, desto stabiler ist die Bank in Krisenzeiten. Sie kann Verluste besser abfedern, ohne in Schieflage zu geraten. 

Die Leverage Ratio setzt das Kernkapital einer Bank ins Verhältnis zu ihrem gesamten Engagement, also sowohl die bilanziellen als auch ausserbilanziellen Positionen. Anders als die Kernkapitalquote berücksichtigt sie nicht die Risikoeinstufung der Aktiva. Diese ungewichtete Mindestkapitalquote ist ein Kernbestandteil von Basel III und soll verhindern, dass Banken durch übermässige Verschuldung zu hohe Risiken bei zu geringer Eigenkapitalbasis eingehen.

Aufgrund der Notübernahme der Credit Suisse vor knapp drei Jahren steht die Kernkapitalquote der UBS vermehrt in den Schlagzeilen. Bund und UBS-Management sind sich bekanntlich nicht einig, wie hoch sie sein soll. Jede Neuigkeit dazu bewegt den Aktienkurs.

Bei Privatbanken ist eine andere Kennzahl entscheidend: der Netto-Neugeldzufluss. Er zeigt, wie viel frisches Kundengeld die Bank anzieht – die Basis für künftige Erträge. Ebenfalls wichtig ist die Cost-Income-Ratio. Sie gibt an, wie viele Rappen nötig sind, um einen Franken Gewinn zu generieren. Je tiefer diese Kennzahl, desto effizienter arbeitet die Bank. Bei klassischen Retailbanken wie Kantonal- oder Regionalbanken ist die Cost-Income-Ratio in der Regel tiefer als bei Privat- und Grossbanken.

Versicherungen: Stabilität und Schadensverhältnis

Bei Versicherungen sind drei Zahlen ausschlaggebend: die Solvabilitätsquote, die Nettoprämien sowie die Schaden-Kostenquote (Combined Ratio).

Die Solvabilitätsquote gibt an, ob eine Versicherung genug Eigenkapital hat, um ihre Verpflichtungen gegenüber Versicherten jederzeit zu erfüllen. Der gesetzlich vorgeschriebene Minimalwert beträgt 100 Prozent. Die Entwicklung der Nettoprämieneinnahmen ist gerade bei Lebens- und Sachversicherern entscheidend; sie zeigt, ob das Geschäft wächst.

Insbesondere bei Rück- und Sachversicherern wie Swiss Re oder Zurich Insurance spielt die Schaden-Kostenquote (Combined Ratio) eine wichtige Rolle. Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen den Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Abschlusskosten einerseits und den Prämieneinnahmen andererseits. Rentabel sind Werte unter 100 Prozent. Das bedeutet, die Versicherung zahlt weniger aus, als sie einnimmt.

Immobilien: Leerstand und Zinsen

Immobilienunternehmen verdienen dann mehr Geld, wenn die Mieten steigen und die Liegenschaften möglichst vollständig vermietet sind. Wichtige Kennziffern sind deshalb die Leerstandsquote und die Mietzinsentwicklung.

Abseits des Jahresberichts sollten Anleger aber auch die Zinsentwicklung im Auge behalten. Denn steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten für Immobilienunternehmen und schmälern damit ihre Rendite. Zudem sinkt bei höheren Zinsen oft die Nachfrage nach Immobilien, was den Wert der Liegenschaften drücken kann.

Pharma: Margen und Pipeline

Der Pharma-Sektor ist einem verstärkten Kostendruck ausgesetzt. Deshalb ist die operative Marge, auch Ebit-Marge genannt, wichtig. Sie zeigt an, wie rentabel das Unternehmen vor Zinsen und Steuern wirtschaftet. Diese Kennzahl steigt, wenn die Umsätze dank höherer Preise oder steigender Absatzzahlen wachsen, oder wenn die operativen Aufwendungen für Material oder Personalkosten sinken.

Eng damit verbunden ist die Qualität der Produktpipeline. Ist sie mit potenziellen Blockbustern gefüllt, also Medikamenten, die über eine Milliarde Umsatz generieren, steigt üblicherweise auch die Ebit-Marge. Anleger sollten zudem die Patentsituation im Blick behalten: Läuft ein wichtiges Patent aus, drohen Umsatzeinbussen durch günstigere Generika-Konkurrenz.

Nahrungsmittel: Markenstärke und organisches Wachstum

Hersteller von Basiskonsumgütern wie Nahrungsmittel definieren sich stark über das organische Wachstum, also Umsatzsteigerungen ohne Zukäufe. Entsprechend wichtig ist für Nestlé und Co. ein Blick ins Marken-Portfolio. Denn starke Brands bedeuten Preissetzungsmacht, auch in Regionen mit wirtschaftlichen Problemen. Unternehmen mit bekannten Marken können ihre Preise eher erhöhen, ohne Kunden zu verlieren, ein entscheidender Vorteil in inflationären Zeiten.

Luxus und Zyklische Güter: Abhängig vom Konjunkturzyklus

Die Geschäftsentwicklung bei Produzenten zyklischer Güter wie Luxusartikel oder Elektronikartikel ist verstärkt vom makroökonomischen Umfeld abhängig. Folglich ist die Umsatzentwicklung in den spezifischen Exportmärkten ausschlaggebend.

Über die künftige Entwicklung gibt das Management im Ausblick Auskunft. Fällt dieser verhalten aus, ist dies in der Regel kein gutes Zeichen, wie zuletzt bei Logitech zu beobachten war. Das Unternehmen warnte vor schwächerer Nachfrage, was den Aktienkurs belastete.

Biotech: Wie lange reicht das Geld?

Die meisten Schweizer Biotech-Firmen haben etwas gemeinsam: Es sind Unternehmen, die meist nur ein einziges Produkt entwickeln und zur Marktreife bringen wollen. Wichtig sind deshalb die Angaben zum Umsatz, zur Entwicklung des Verlusts sowie die sogenannte Cash-Burn-Rate. Sie zeigt, wie viel Geld das Unternehmen pro Monat «verbrennt».

Eine hohe Burn-Rate bedeutet: Das Geld geht schnell aus, die Firma braucht bald frisches Kapital. Das kann für Aktionäre problematisch werden, denn oft erfolgt die Kapitalbeschaffung über Kapitalerhöhungen, was zu einer Verwässerung der bestehenden Aktien führt. Eine tiefe Burn-Rate hingegen signalisiert, dass das Unternehmen noch länger durchhalten kann, ohne neues Geld aufnehmen zu müssen.

Dividenden: Nicht immer alles

Viele Anleger achten stark auf die Dividendenrendite. Doch die Ausschüttung ist nicht für jede Anlagestrategie gleich wichtig. Für einkommensorientierte Investoren, die auf regelmässige Zahlungen angewiesen sind, spielt die Dividende eine zentrale Rolle.

Wachstumsunternehmen, insbesondere im Biotech- oder Tech-Bereich, zahlen oft gar keine Dividenden. Sie reinvestieren das Geld lieber in Forschung, Entwicklung oder Expansion. Das kann langfristig zu höheren Kursgewinnen führen. Anleger sollten sich also fragen: Will ich laufende Erträge oder setze ich auf Wertsteigerung?

Monique Misteli Ringier
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