So rüsten sich Aktionäre für Donnerstag

Dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag Staatsanleihenkäufe in Milliardenhöhe ankündigt, gilt als sicher. Experten sagen, wie sich Aktien- und Bond-Anleger darauf vorbereiten sollten.
20.01.2015 08:05
Von Lorenz Burkhalter
Neuer Sitz der EZB im Osten Frankfurts. Integriert in den Bau ist eine ehemalige Markthalle.
Neuer Sitz der EZB im Osten Frankfurts. Integriert in den Bau ist eine ehemalige Markthalle.
Bild: cash

Am kommenden Donnerstag treten die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB) zum ersten Mal in diesem Jahr zusammen. Schon heute gilt als sicher, dass sie dann eine Ausweitung des Rückkaufprogramms auf europäische Staatsanleihen bekanntgeben werden. Ziel wird es sein, im weltweiten Abwertungswettlauf die Oberhand zu gewinnen und den Euro noch einmal substanziell zu schwächen.

In Expertenkreisen gilt ein solcher Schritt mittlerweile als sicher. In welchem Umfang die EZB Staatsanleihen zurückkaufen wird, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Von 600 bis sogar 3000 Milliarden Euro ist alles vertreten.

Bei der Citigroup geht man von einem Anleihenrückkaufprogramm im Ausmass von 600 Milliarden Euro aus. Damit liegen die für die amerikanische Grossbank tätigen Strategen mit ihrer Schätzung ganz am unteren Ende der Erwartungsbandbreite. Nichtsdestotrotz rechnen sie an den Finanzmärkten mit grösseren Kursverschiebungen.

Wie sich Anleger am besten positionieren

Für gewöhnlich hätten risikobehaftete Anlagen wie Aktien in den drei Monaten vor der Bekanntgabe einer quantitativen geldpolitischen Lockerung einen eher schweren Stand, so die Strategen. In der Zeit nach der Bekanntgabe hätten die Aktienmärkte für gewöhnlich allerdings um durchschnittlich 30 Prozent zugelegt. Anleger sollten deshalb im Hinblick auf den Donnerstag auf Finanzwerte setzen und defensiven Aktien und Sektoren die kalte Schulter zeigen.

Die Citigroup rät ihrer Anlagekundschaft ausserdem zu folgendem Vorgehen:

  •  Auf Aktien von Unternehmen mit einer grosszügigen und gut vorhersehbaren Dividendenpolitik setzen. Erstmals seit 50 Jahren liege die Dividendenrendite wieder über der Rendite von Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating oder schlechter. Solche Firmen sind den Strategen zufolge vor allem in den Bereichen Versicherungen, Telekommunikation, Banken und Automobile zu finden.
     
  •  Auf Hochzinsanleihen setzen. Diese sollten in einem von rückläufigen Risikoaufschlägen geprägten Marktumfeld überdurchschnittlich stark abschneiden.
     
  •  Auf Aktien von Unternehmen setzen, welche von einem freundlicheren Wirtschaftsumfeld profitieren. In diesem Zusammenhang nennen die Strategen zyklische Aktiensektoren sowie die Finanzwerte. Gelegenheiten sehen sie auch bei Firmen mit finanziellem Spielraum für Aktienrückkäufe oder ergänzende Übernahmen.
     
  •  Auf Aktien von Gewinnern eines schwachen Euros setzen.

Grundsätzlich verspricht sich die Citigroup von der EZB frische Impulse für die europäischen Aktienmärkte. Allerdings vertreten längst nicht alle Banken diese Meinung. Es gibt vereinzelt auch kritische Stimmen, die ein Anleihenrückkaufprogramm im von den Amerikanern erwarteten Umfang bereits als eingepreist erachten.