Solarzulieferer - Meyer Burger verpackt geschickt eine Gewinnwarnung

Der Solarzulieferer Meyer Burger verknüpft die Bekanntgabe eines wichtigen Grossauftrags mit einer Gewinnwarnung. Der Kurssprung bei der Aktie verrät: Die Rechnung scheint aufzugehen.
14.12.2018 11:33
Von Lorenz Burkhalter
Meyer-Burger-CEO Hans Brändle.
Meyer-Burger-CEO Hans Brändle.
Bild: cash

Die gute Nachricht zuerst: Meyer Burger schliesst einen ersten Grossauftrag über 74 Millionen Franken für eine Produktionslinie der neusten Heterojunction-Generation ab. Der Auftrag - dieser wird vom Solarzulieferer selbst als "richtungsweisend" bezeichnet - stammt von einem führenden, nicht-chinesischen Solarmodulhersteller.

Die schlechte Nachricht für die Aktionäre: Das Unternehmen verpackt geschickt eine Gewinnwarnung in die Medienmitteilung zum Grossauftrag. Während weiterhin mit einem Nettoumsatz zwischen 400 und 440 Millionen Franken gerechnet wird, dürfte die operative Gewinnmarge (EBITDA) voraussichtlich nur noch im höheren einstelligen Prozentbereich liegen (zuvor "rund 10 Prozent"). Der Solarzulieferer macht Margendruck bei Standardlösungen verantwortlich.

Bereits Mitte August sah sich das Unternehmen zu einer Reduktion der diesjährigen Zielvorgaben gezwungen. Reduziert wurde damals aber nur die Zielbandbreite für den Nettoumsatz. An den Vorgaben für die operative Gewinnmarge hielt man hingegen fest.

Die Verknüpfung der Gewinnwarnung mit dem Grossauftrag scheint aufzugehen. An der Schweizer Börse SIX erholt sich die Meyer-Burger-Aktie zur Stunde noch um 9,1 Prozent auf 0,599 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 0,675 Franken.

Ein Grossauftrag mit "Leuchtturmcharakter"

In einem Kommentar der Bank Vontobel wird der Auftrag als "ein Meilenstein" bezeichnet, signalisiere er doch eine zunehmende Akzeptanz für die Heterojunction- und die Smart-Wire-Connection-Technologie. Der Autor selbst war bei seinen diesjährigen Prognosen bereits von einem Grossauftrag in Höhe von 50 Millionen Franken ausgegangen und muss nur noch geringfügigere Anpassungen vornehmen. Er nimmt das Kursziel von 0,65 Franken in Revision, bekräftigt gleichzeitig aber das "Hold" lautende Anlageurteil.

Auch sein Berufskollege bei der UBS Investmentbank begrüsst den Grossauftrag. Seines Erachtens macht der Auftrag die nach unten angepassten Margenvorgaben mehr als wett. Dennoch stuft er die Aktie wie bis anhin mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 0,73 Franken ein.

Der Grossauftrag habe "Leuchtturmcharakter", schreibt die Zürcher Kantonalbank. Angesichts der Tatsache, dass der Auftrag nur das von Meyer Burger selbbst entwickelte und gefertigte Kernequipment umfasst, scheine die Gesellschaft auf der Preisseite keine Zugeständnisse eingegangen zu sein, um diesen Auftrag zu gewinnen. Um der weiterhin anspruchsvollen Situation im Solargeschäft Rechnung zu tragen, lautet das Anlageurteil nur "Marktgewichten".

Credit Suisse hat das Nachsehen

Die Gewinnwarnung kommen sah die Credit Suisse. Erst vor wenigen Tagen stufte die Grossbank die Meyer-Burger-Aktie mit einem Kursziel von 0,55 (zuvor 0,65) Franken von "Neutral" auf "Underperform" herunter und warnte vor einem aggressiven Preiskampf bei Standardlösungen. Am Tag der Herunterstufung  ging die Aktie des Solarzulieferers mit einem Minus von fast 20 Prozent aus dem Handel (cash berichtete).

In einem zentralen Punkt lag die Credit Suisse allerdings ziemlich daneben. Beim Solarzulieferer würden auf absehbare Zeit wohl keine weiteren Grossaufträge für die Heterojunction-Zellentechnologie eingehen, so lautete mitunter die Begründung für die Verkaufsempfehlung für die Aktie. Vermutlich muss die Grossbank ihr Bewertungsmodell für Meyer Burger angesichts des 74 Millionen Franken schweren Auftrags unter positiven Vorzeichen überarbeiten.

 

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