Das Wetter in den USA und der längste Regierungsstillstand in der US-Geschichte dürften bei Amrize im Schlussquartal 2025 Spuren hinterlassen haben. Dennoch sollte der Baustoffkonzern die eigenen Jahresziele erreichen. Für 2026 sehen die Rahmenbedingungen wieder besser aus.

Konkret gehen die neun Analystinnen und Analysten, die zum AWP-Konsens beigetragen haben, von einem Umsatzanstieg von 11’704 Millionen Dollar auf 11’929 Millionen Dollar aus. Die adjustierte operative Marge dürfte dagegen von 26,2 auf 25,4 Prozent gefallen sein. Der Reingewinn wird auf 1,294 Milliarden Dollar geschätzt. Aufgrund der erst kürzlich erfolgten Abspaltung liegen jedoch keine Vergleichswerte vor. Die Spannweite der Schätzungen reicht von 1,2 bis 1,38 Milliarden Dollar.

Ein weiterer Fokus der Anlegerinnen und Anlegern dürfte auf der noch ausstehenden Dividendenankündigung liegen. Doch hier sind sich die Expertinnen und Experten uneins: Von den neun Analysten haben acht eine Schätzung abgegeben, einer hat verzichtet. Die Schätzungen reichen dabei von 0 bis 1,78 Franken je Aktie. Im Schnitt werden 49 Rappen prognostiziert.

Wie ist die Geschäftslage?

Analysten rechnen mit einem verhaltenen Geschäftsgang im vierten Quartal. Das Wetter war zwar kälter, gleichzeitig aber auch trockener gewesen als im Jahresvergleich, was die Baubranche weniger stark gebremst haben dürfte. Dagegen dürfte die schwächere Hurrikansaison die Nachfrage nach Dächern und Fassadenteilen gebremst haben.

Zudem wird sich der längste Regierungsstillstand in der Geschichte der USA auf die Aufträge ausgewirkt haben. Allerdings könnte dieser Government Shutdown auch nur zu Verschiebungen und weniger zur Absage von Bauprojekten geführt haben. Die Preise neigten nach Ansicht von Analysten zur Schwäche, dürften sich aber 2026 erholen.

Was sind die Finanzziele für 2025?

Amrize hat Ende Oktober die Umsatzziele für das Gesamtjahr 2025 nach oben geschraubt. Neu soll ein Umsatz von 11,7 bis 12,0 Milliarden Dollar erreicht werden, nachdem zuvor 11,4 bis 11,8 Milliarden angepeilt worden waren. Nicht verändert wurden die Prognosen eines adjustierten EBITDA von 2,9 bis 3,1 Milliarden Dollar sowie einer Nettoverschuldungsrate von unter 1,5x EBITDA per Ende Jahr.

Wie präsentiert sich die Lage 2026?

Die strukturellen Aussichten für Bauausgaben und die Nachfrage nach Baumaterial sind robust. Treiber sind Investitionen für die Wiederansiedlung von Fabriken in den USA, Infrastrukturprojekte und die Erholung des Wohnungsbaus angesichts sinkender Zinsen.

Im Zementgeschäft dürften die Preise nach einer Phase der Schwäche wieder steigen. Zudem sollten erste Effekte aus Kostensenkungsmassnahmen im Gebäudehüllengeschäft die Ergebnisentwicklung stützen. Das Effizienzprogramm «Aspire» soll die Betriebsgewinnmarge um 50 Basispunkte pro Jahr steigern und im Zeitraum 2025 bis 2028 Gesamtsynergien von über 250 Millionen Dollar bringen.

Was treibt das Wachstum an?

Für die Zukunft zeigt sich Amrize-Chef Jan Jenisch optimistisch: Die Pipeline für den Bau von Rechenzentren sei für die nächsten drei, vier Jahre gefüllt, sagte er unlängst in einem Interview mit der NZZ: «Allein rund um Washington (DC) werden derzeit 500 Datenzentren gebaut.» Neben Zement und Beton liefert Amrize für diesen Wachstumsbereich auch Dachsysteme. Das Geschäft soll sich laut dem Konzernchef in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.

Zudem profitiert Amrize von Akquisitionen: Zuletzt hatte der Konzern die Übernahme des texanischen Zuschlagsstoffunternehmens PB Materials mit 26 Standorten und einem Umsatz von über 180 Millionen US-Dollar angekündigt. Damit expandiert Amrize in einer Gegend mit einem starken Wachstum von Energie-, Rechenzentren- und Infrastrukturprojekten. Die Akquisition bringt laut Jenisch 1,5 Prozent zusätzliches Wachstum . «Zugleich wachsen wir auch organisch und bauen eine Reihe bestehender Werke aus.»

Zuvor hatte der Konzern Mitte Dezember den Ausbau seines grössten Zementwerks Ste. Genevieve im US-Bundesstaat Missouri abgeschlossen. Mit der Inbetriebnahme der Erweiterung steigt die Produktionskapazität der Anlage um 660'000 US-Tonnen (rund 600'000 metrische Tonnen) pro Jahr auf insgesamt 5,5 Millionen US-Tonnen jährlich.

Wie läuft die Aktie?

Die Aktien von Amrize haben sich seit Jahresbeginn um 2,4 Prozent verteuert. Damit entwickelten sie sich etwas besser als der Gesamtmarkt und auch deutlich besser als die Aktien des einstigen Mutterkonzerns Holcim, die rund 10 Prozent im Minus sind. Allerdings haben die Holcim-Aktien erst von Berichten über eine mögliche Aufweichung der EU-Emissionsregeln vor zwei Wochen einen Schlag erhalten. Amrize ist davon nicht betroffen, weil sich der Konzern nur auf Nordamerika konzentriert.

Die Analystinnen und Analysten bleiben somit optimistisch. Von 14 Experten raten zehn zum Kauf, vier zum «Halten» - es liegen keine Verkaufsempfehlungen vor. Der Kurszielkonsens liegt bei 49,25 Franken und impliziert rund 9 Prozent Aufwärtspotenzial für die kommenden zwölf Monate.

(AWP/cash)