Was ist nur mit den Aktien von Givaudan los? Seit September 2024 haben sie über 42 Prozent ihres Wertes verloren - ein dramatischer Einbruch für einen Defensivwert. Dafür dürften gleich drei Gründe in Frage kommen: eine allgemeine Wachstumsverlangsamung, ein Renditeanstieg bei Staatsanleihen und der US-Iran-Konflikt.
Kursentwicklung von Givaudan in Franken.
Der Aromen- und Riechstoffhersteller blickt auf eine aussergewöhnlich Wachstumsphase zurück. Zwischen 2011 und 2024 lag das durchschnittliche Umsatzwachstum bei 5,5 Prozent pro Jahr, in den letzten fünf Jahren der Strategieperiode sogar bei 6,8 Prozent. Dass es sich dabei um Ausnahmejahre handelte, ist auch dem Management bewusst. Für die nächste Strategieperiode bis 2030 wird deshalb ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent angepeilt.
Nachdem der Markt schon vor Beginn des US-Iran-Konflikts mit Wachstumsraten am unteren Ende der Bandbreite gerechnet hatte - der Konsens lag bei etwa 3,7 Prozent-, verschärfte sich die Situation. Denn Givaudan ist in diesem Sektor das Unternehmen mit dem grössten Engagement in dieser Region - Schätzungen sprechen von fast 10 Prozent des Umsatzes. Die UBS etwa erwartet für das aktuelle Geschäftsjahr deshalb ein Umsatzwachstum von 3,2 Prozent.
Doch auch der stetige Renditeanstieg von Staatsanleihen macht den Givaudan-Titeln Konkurrenz. Viele Anleger halten diese Aktien traditionell als Obligationenersatz, dank ihrer defensiven Eigenschaften und stabilen Dividende. Steigen jedoch die Anleihenrenditen, verlieren sie an relativer Attraktivität.
Sinkendes Bewertungsniveau, steigende Renditen
Der starke Kursverfall hat auch eine Kehrseite: Das Chancen-Risiko-Profil hat sich nun massiv verbessert. Die Dividendenrendite liegt nur knapp unter ihrem Mehrjahreshoch - einzig 2013 warf die Aktie mit 2,8 Prozent noch leicht mehr ab. Noch auffälliger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das aktuell bei 22 notiert - ein Mehrjahrestief. Zum Vergleich: Der 26-jährige Durchschnitt liegt bei 19, während der Höhenflugphase von 2021 bis 2025 wurden die Aktien mit einem KGV von 32 bewertet.
Auch fundamental gibt es positive Signale. Nachdem das Unternehmen zahlreiche Übernahmen getätigt hatte und die Verschuldung im Konkurrenzvergleich am schnellsten anstieg, hat das Management das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda wieder stark reduziert. Damit stehen Givaudan nun finanzielle Spielräume für Akquisitionen, Dividendenerhöhungen oder Aktienrückkäufe zur Verfügung - alles positive Katalysatoren, die die Bewertung langfristig stützen könnten.

