Die Ratingagentur S&P hat die Spitzenbonität Deutschlands trotz struktureller Herausforderungen und geopolitischer Risiken bestätigt. Die Kreditwürdigkeit werde weiterhin mit der Bestnote «AAA/A-1+» und einem stabilen Ausblick bewertet, teilte S&P am ‌Freitagabend mit. ⁠Zur Begründung verwiesen die Bonitätswächter auf die moderate Staatsverschuldung, die starke Wirtschaftskraft und die im weltweiten Vergleich ⁠herausragende Auslandsbilanz der Bundesrepublik. Diese Stärken dürften kurzfristige Belastungen wie das schwache Produktivitätswachstum und die alternde Bevölkerung abfedern.

Die fragile wirtschaftliche ‌Erholung stützt sich S&P zufolge stark auf das von der Regierung ‌unter Kanzler Friedrich Merz auf den Weg gebrachte ​Konjunkturpaket. Die geplanten Investitionen in Höhe von 500 Milliarden Euro in die Infrastruktur sowie der Ausbau der Verteidigungsfähigkeit seien die Haupttreiber für das Wachstum. Die Agentur rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 0,8 Prozent und in den Jahren 2027 und 2028 um jeweils 1,4 Prozent ‌zulegen wird. Ob das Paket jedoch über die konjunkturellen Effekte hinaus das langfristige Potenzialwachstum stärken könne, bleibe ungewiss.

Zugleich haben die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick laut S&P zugenommen. Insbesondere die Entwicklung im Nahen Osten berge ​Gefahren, da anhaltend hohe Energiepreise das Wachstum dämpfen und die Inflation ​anheizen könnten. Hinzu kämen strukturelle Probleme, die das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell ​unter Druck setzten. Dazu zählten geopolitische Spannungen, die Konkurrenz aus China sowie mögliche neue US-Zölle. Auch die Autoindustrie stehe vor ‌grossen regulatorischen und technologischen Hürden. Zudem werde der demografische Wandel das Wachstum in den kommenden Jahren belasten, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen. Die bisherigen Bemühungen der Regierung um Strukturreformen fielen gemischt aus, hiess ​es.

Die ​massiven Staatsausgaben hinterlassen derweil Spuren im Haushalt. S&P ⁠prognostiziert, dass das gesamtstaatliche Defizit in den Jahren 2026 bis ​2029 im Durchschnitt auf ⁠über vier Prozent steigen wird. Die Staatsverschuldung dürfte bis 2029 auf 67 Prozent des BIP klettern, ‌nach 59 Prozent im Jahr 2025. Die Inflation in Deutschland wird den Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren leicht über der Marke von zwei Prozent verharren. Angesichts der ‌Preisentwicklung erwartet S&P, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen früher als bislang angenommen ​anheben könnte. Ein erster Zinsschritt nach oben sei bereits im zweiten Quartal 2026 möglich. Dem deutschen Bankensektor stellte S&P ein solides Zeugnis aus: Die Institute seien gut kapitalisiert und liquide, auch wenn der intensive Wettbewerb ‌die Profitabilität drücke. 

(Reuters)