Die Aktie von SpaceX bewegte sich zuletzt in einer engen Spanne. Doch schon bald könnte eine neue Kaufwelle anrollen. Grund ist die anstehende quartalsweise Anpassung des Nasdaq-100-Index Ende September.

Hintergrund sind eine wenig beachtete Regel beim Bau des Tech-Index und gestaffelte Haltefristen für Aktionäre des Raumfahrtunternehmens von Elon Musk. Diese Fristen begrenzten bisher die Zahl der frei handelbaren Aktien.

Indexbetreiber Nasdaq berechnet das Gewicht einer Firma im Index nach deren Marktwert. Dabei gilt die tiefere Zahl aus zwei Werten: Die Gesamtzahl aller Aktien oder das Dreifache des frei handelbaren Bestands. Aktien mit tiefem Free Float – also ohne Papiere von Insidern oder solche mit Sperrfristen – fliessen somit nicht mit ihrem vollen Marktwert ein.

Bei SpaceX begrenzen diese Fristen die Anzahl frei handelbarer Aktien. Die Firma kommt deshalb im Nasdaq 100 derzeit nur auf ein Gewicht von 1,25 Prozent und belegt Rang 19. Dabei stellt SpaceX mit einem Marktwert von über zwei Billionen Dollar die sechstgrösste Firma im Index.

Milliardenzuflüsse durch Indexfonds erwartet

Das Gewicht dürfte nach der nächsten Anpassung steigen. Die Ergebnisse werden am Freitag nach Börsenschluss bekannt gegeben und treten am 21. September in Kraft. Der Grund: Mittlerweile sind über eine Milliarde Aktien aus den Haltefristen frei geworden. Der Free Float stieg von unter zehn Prozent direkt nach dem Börsengang auf knapp 30 Prozent.

Das Gewicht von SpaceX könnte nach der Anpassung auf 1,51 Prozent klettern und würde Nettokäufe von Indexfonds und ETFs in Höhe von 12,4 Milliarden Dollar auslösen. Das schätzen Strategen von JPMorgan. Ende des zweiten Quartals bildeten Fondsvermögen von rund 1,7 Billionen Dollar über den Nasdaq 100 ab, darunter der bekannte «Invesco QQQ Trust ETF». Die SpaceX-Aktie verlor im frühen Handel am Dienstag rund ein Prozent.

Wenn im nächsten Jahr weitere Haltefristen ablaufen, steigt die Anzahl frei handelbarer Aktien weiter. Damit könnte auch das Gewicht im Nasdaq 100 nochmals zulegen.

«Der Marktpreis wird hier bis zu einem gewissen Grad durch Käufe herumgeschubst werden», sagt Ed O’Gorman, CEO bei River Wealth Advisors. «Es wird dauern, bis man sieht, wie der Markt die Aktie wirklich einschätzt.»

Seitwärtsbewegung seit dem Börsengang

Nach dem viel beachteten Rekord-Börsengang im Juni und wochenlangen Schwankungen ist es um SpaceX ruhig geworden. Der Titel bewegte sich in den letzten vier Wochen seitwärts zwischen 133 und 150 Dollar – nahe am Ausgabepreis von 135 Dollar. Da rasche Unternehmensnews fehlen, könnte die Indexanpassung den nötigen Schwung bringen.

«Entweder verkaufen Anleger neu freigegebene Aktien in die erwarteten Käufe hinein, oder der Kurs steigt wegen der Nachfrage der Indexfonds», sagt Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers. «Die Nachfrage von Fonds wie dem QQQ dürfte auf jeden Fall zulegen.»

Nicht nur Nasdaq nutzt diese Methode. Auch S&P Dow Jones Indices berechnet die Gewichte im S&P 500 nach dem frei handelbaren Börsenwert. Als Berkshire Hathaway vor zwei Jahren seine Apple-Beteiligung stutzte, stieg der Free Float von Apple. Analysten von Piper Sandler schätzten damals die Käufe durch passive Fonds auf 40 Milliarden Dollar.

SpaceX schaffte im Juni zwar den Sprung in den Russell-1000-Index. Der S&P 500 verlangt jedoch eine Börsengeschichte von mindestens zwölf Monaten. Ein Einzug ist deshalb frühestens Mitte 2027 möglich.

Nächste grosse Aktienwelle folgt im November

Das erste Ende einer Sperrfrist im August fiel mit den ersten Quartalszahlen zusammen. Befürchtungen über einen Ausverkauf bewahrheiteten sich jedoch nicht. Auch nach einer zweiten Frist eine Woche später blieben die Verkäufe aus, da Insider ihre Papiere weitgehend hielten. Das stützte den Kurs.

Bis Ende Oktober werden gut eine Milliarde weitere Aktien frei. Nach den Zahlen zum dritten Quartal Mitte November folgen nochmals 1,3 Milliarden Papiere.

«Der wichtigere Termin kommt erst mit den Zahlen im November», meint O’Gorman von River Wealth. «Dann kommt eine sehr grosse Menge an Aktien auf den Markt.»

(Bloomberg/cash)

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