Die ⁠schweren Waldbrände zwingen Spanien und Frankreich zu drastischen Massnahmen. Die Regierung in Madrid rief am Freitag den nationalen Notstand aus. ⁠Den Behörden zufolge ist dies das erste Mal, dass dieser Schritt wegen eines Waldbrandes ergriffen wurde. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bat die Europäische Union (EU) ‌wegen der schweren Brände an der Atlantikküste um Hilfe. Es würden unter ‌anderem Löschflugzeuge aus Kroatien und Portugal erwartet, so Macron. Mitten ​in der französischen Hauptferienzeit musste die bei Urlaubern sehr beliebte Halbinsel Cap Ferret bei Arcachon vollständig evakuiert werden. Rund 40.000 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden, viele davon per Boot, teilten die Behörden mit.

Das spanische Innenministerium erklärte, die Entscheidung für den Notstand sei wegen des gleichzeitigen Ausbruchs mehrerer Brände und widriger Wetterbedingungen getroffen worden. Ausserdem bestehe die Notwendigkeit, ‌im Kampf gegen die Flammen im grossen Stil Kräfte zu mobilisieren. Durch die Ausrufung des Notstands untersteht der Einsatz nun direkt dem Innenminister. Das letzte Mal hatte Spanien einen vergleichbaren Notstand erklärt, als im vergangenen Jahr landesweit der Strom ​ausfiel.

Angesichts der Brände hatte nun die Regionalregierung von Madrid um Hilfe gebeten. Sie beschrieb ​die Lage als «extrem ernst». Aktive Brände drohten, die derzeitigen Löschkapazitäten zu übersteigen. ​Den Angaben zufolge wurden bereits mehr als 10.000 Menschen aus vier Ortschaften evakuiert. Zudem wurde gewarnt, dass ein Waldbrand in Burgohondo in der ‌Provinz Avila aufgrund der Wetterlage in den kommenden Stunden die Region Madrid erreichen könnte. Mehr als 270 Einsatzkräfte sind in den betroffenen Gebieten im Einsatz.

Macron betonte auf der Nachrichtenplattform X, die Lage sei weiterhin äusserst angespannt. Dies gelte insbesondere ​für das Département ​Gironde, wo sich die Halbinsel Cap Ferret befindet. Das Feuer ⁠hat in dem Gebiet bei Arcachon, das auch für die höchste ​Düne Europas bekannt ist, ⁠bereits 8700 Hektar Land zerstört. Laut Macron sollten auch schwere Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei zu Hilfe kommen.

Wissenschaftler ‌bringen die immer heftigeren Waldbrände in Spanien und weiten Teilen Südeuropas mit dem Klimawandel in Verbindung. Experten zufolge hat ein ungewöhnlich regenreicher Frühling zunächst zu üppigem Pflanzenwachstum geführt. Diese Vegetation sei in der ‌extremen Sommerhitze ausgetrocknet und biete den sich schnell ausbreitenden Bränden reichlich Nahrung. In diesem Jahr ​sind in Spanien bereits mehr als 100.000 Hektar verbrannt, was dem durchschnittlichen Jahreswert des vergangenen Jahrzehnts entspricht. Mit 13 Todesopfern ist 2026 bereits jetzt eine der tödlichsten Waldbrandsaisons seit Jahrzehnten.

(Reuters)