Trotz des Iran-Kriegs ist die deutsche Wirtschaft Anfang des Jahres etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum ‌Vorquartal, wie ⁠das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ⁠nur ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. In ersten Reaktionen hiess es dazu:

SEBASTIAN WANKE, KFW RESEARCH:

«Das war ‌ein überraschend guter Jahresauftakt, zumal auch schon das erste Quartal ‌von Grönland-Wirren und Iran-Krieg belastet war. Die Daten ​zeigen, dass es für die deutsche Konjunktur ein starkes Jahr hätte werden können. Doch der Iran-Krieg verhagelt nun die Bilanz. Bleibt die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Strasse von Hormus, sodass die Wachstumskräfte wieder atmen können. Dank Fiskalimpuls rechnen wir für 2026 immerhin noch mit einer BIP-Zunahme ‌von 0,9 Prozent.»

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

«Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal unerwartet deutlich gewachsen, wobei die Statistiker das Plus im vierten Quartal etwas nach unten revidiert haben. Aber leider kam es Ende Februar ​zu einem Ölpreisschock. Die auf Umfragen basierenden Stimmungsindikatoren sind eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte ​im zweiten Quartal sinken. Für das gesamte Jahr erwarten ​wir nur ein mageres Plus von 0,6 Prozent, sofern die Schliessung der Strasse nach insgesamt drei Monaten Ende Mai endet. ‌Mit jedem weiteren Monat der Sperrung steigt das Rezessionsrisiko. Die heutigen Zahlen könnten die Ruhe vor dem Sturm sein.»

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

«Angesichts der vielen Belastungen ist das ein versöhnliches Ergebnis. ​Das ​ist beachtlich, hatten viele Konjunkturdaten im Januar und ⁠Februar doch enttäuscht. Die Belastungen durch den Energiepreisanstieg werden sich ​allerdings erst noch stärker zeigen. ⁠An einer vorerst anhaltenden Kaufkraftabschöpfung geht kein Weg vorbei. Geld, das an der Tankstelle ausgegeben ‌wird, steht für den Konsum nicht zur Verfügung. Es ist daher mehr als eine Drohung, dass die Wirtschaft 2026 langsamer wachsen wird, als zu Jahresbeginn erhofft.

Umso mehr ‌schmerzt es, dass die Bundesregierung es nicht schafft, Standortbedingungen zu verbessern. Den ​Grad der Umverteilung zu steigern und in die Portmonees der Bevölkerung zu greifen, ist keine Reform. Immer mehr sieht es danach aus, dass die Wirtschaft lethargische Züge behalten wird. Stagflationstendenzen sind allerdings das Letzte, ‌was Deutschland jetzt braucht.» 

(Reuters)