Die Valoren von Nestlé verloren am Mittwoch 3,55 Prozent auf 77,97 Franken. Damit ist der Titel wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 80 Franken abgerutscht. Auf diesem Niveau notierte die Aktie letztmals vor Monatsfrist. 

Am Markt wurden mehrere Gründe für die Kursverluste herumgereicht. Einerseits befand sich Nestlé in guter Gesellschaft, da auch die defensiven Schwergewichte Novartis (-1,8 Prozent) und Roche (-2,8 Prozent) mit einem klaren Minus aus dem Handel gingen. Bei Roche dürfte auch der negative Kommentar von BNP Paribas, welche das Kurspotenzial kritisch sieht und den Titel am Dienstag auf «Neutral» von «Buy» herunterstufte, nachgehallt haben.

Kommt hinzu, dass an der Schweizer Börse konjunktursensitive Titel und Finanzwerte gesucht waren wegen der am frühen Donnerstagmorgen sinkenden Erdölpreise. Die defensiven Titel wurden dagegen gemieden. Zwar drehte sich das Blatt am Nachmittag, als die Erdölpreise wieder anzogen. Aber vor den wegweisenden Zinsentscheiden diverser Zentralbanken mochten sich Investierende kaum mehr gross exponieren. 

Andere Marktteilnehmer interpretierten die Abgaben bei den hiesigen Schwergewichten zudem mit Absicherungstransaktionen über SMI-Index-Futures, wie die Nachrichtenagentur AWP berichtete. In diesem Falle werden Put-Optionen gekauft, während die Markt-Maker im Gegenzug Aktien verkaufen. Das führt entsprechend zu Druck auf den bezahlten Kursen, wenn diesen Verkäufen keine oder nur eine geringe Nachfrage gegenübersteht. 

Ferner kämpfte am Mittwoch die gesamte Branche mit Kursverlusten. Lindt&Sprüngli (-3,0 Prozent), Barry Callebaut (-4,6 Prozent) oder auch die ausländischen Konkurrenten Unilever (-3,4 Prozent) oder Mondelez (-1,5 Prozent) standen ebenfalls unter Druck.

Die Analysten der Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten ausserdem am Mittwochabend über eine Verschärfung des Wettbewerbs auf dem chinesischen Markt für Säuglingsnahrung, da die dortigen Marken trotz sinkender Absatzmengen aufgrund niedriger Geburtenraten weiterhin in diesen grossen Markt investieren. Der jüngste Rückruf von Nestlé könnte die Nachfrage hin zu den grossen chinesischen Marken wie Yili, Mengniu und Feihe beschleunigen, da diese verstärkt in Premium-Säuglingsnahrung und Erwachsenennahrung investieren. Nur damit könne die schwache Nachfrage nach Basisnahrung ausgeglichen werden, so die Argumentation.

Unter diesen Vorzeichen sind die Kursabgaben nachvollziehbar. Ein schneller Rebound ist ohne Ende des Iran-Krieges eher unwahrscheinlich. Die hohen Erdölpreise werden sich in den kommenden Monaten direkt oder indirekt auf die Transport- und Produktionskosten von Nestlé durchschlagen. Auch wenn diese höheren Kosten geringfügig ausfallen, ist das Management einmal mehr gefordert, das Volumenwachstum anzukurbeln oder mit neuerlichen Preiserhöhungen zu reagieren. 

Thomas Daniel Marti
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