Star-Investor wettet auf fallende Kurse

Während die Börse in New York an den Rekorden kratzt, setzt der US-Milliardär George Soros auf fallende Kurse. Der bekannte Investor ist nicht alleine mit seiner Wette.
09.06.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter

Die amerikanische Leitbörse befindet sich in einer beneidenswerten Verfassung. Vergangene Nacht kletterte der breit gefasste S&P-500-Index bis auf 2120 Punkte und damit die in unmittelbare Nähe des Rekordhochs vom Mai vergangenen Jahres bei 2132,80 Zählern. An fünf der letzten sechs Wochentage ging das Börsenbarometer höher aus dem Handel.

Auf dem Parkett in New York schwören sich die Marktakteure und die Medien schon seit Tagen gegenseitig auf neue Höchststände ein. Ein Anlauf auf das bisherige Rekordhoch gilt als so sicher wie das Amen in der Kirche.

Allerdings teilen nicht alle diese Zuversicht, wie ein Artikel im "The Wall Street Journal" verrät. Denn wie das renommierte Blatt schreibt, hat der Milliardär George Soros bei seinem Hedgefonds kürzlich wieder die Zügel übernommen. Der 85-jährige befürchte einen Rückschlag an den Börsen. Er habe in den vergangenen Wochen noch einmal Aktien abgebaut und setze im Gegenzug auf Gold sowie Goldminenaktien, so heisst es auf Berufung auf dem Investor nahe stehende Quellen.

Soros hatte bereits im ersten Quartal die Investments seiner Firma in US-Aktien um mehr als ein Drittel gekürzt. Ebenso erhöhte er die Wetten auf einen Einbruch an der US-Börse, indem er seinen Bestand an "Put-Optionen" auf den Indexfonds SPDR S&P 500 mehr als verdoppelte. 

Soros ist in guter Gesellschaft

Bekannt wurde Soros Anfang der Neunzigerjahre mit seiner legendären Wette gegen das britische Pfund. Angeblich verdiente er alleine mit dieser mehr als eine Milliarde Dollar. "The Wall Street Journal" zufolge griff der Milliardär letztmals kurz vor Ausbruch der Bankenkrise der Jahre 2007/08 ins Tagesgeschäft seines Hedgefonds ein und setzte auch damals auf rückläufige Aktiennotierungen.

Soros ist nicht der einzige Star-Investor, welcher dem Börsentreiben in New York nicht mehr traut. Erst vor einem Monat wurde bekannt, dass der bekannte Milliardär Carl Icahn über seine Beteiligungsgesellschaft im grossen Stil auf einen Börseneinbruch wettet. In dieses Bild passt auch sein kürzlicher Ausstieg bei den Aktien des amerikanischen Kultunternehmens Apple, welcher er noch vor einem Jahr eine Kursverdoppelung auf über 200 Dollar nachgesagt hatte.

Anders als Icahn verfolgt Soros nicht einen sogenannten "Bottom-up"-Ansatz, sondern einen "Top-Down"-Ansatz für seine Investitionen. Mit anderen Worten: Er orientiert sich bei der Wahl seiner Anlagen in erster Linie am Wirtschaftsumfeld und nicht an unternehmensspezifischen Gegebenheiten.

Im laufenden Jahr zahlte sich dieser Ansatz bisweilen aber noch nicht aus. Denn während der amerikanische S&P-500-Index ein Plus von knapp 4 Prozent aufweist, notiert der Hedgefonds des Milliardärs nur leicht höher. Sollte es an der Leitbörse in New York zu einem Rückschlag kommen, könnte sich das allerdings schon bald ändern.